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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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139
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Die Liturgie (Lied 1). 139

n ung echten Volksliedlebens ist, wenn der natürliche starkeAusklang des Gesanges von seiner Stelle gerückt wird unddas Lied kraftlos verrinnt.

Weiter zeigt der Vergleich mit R mancherlei verflachendeAusgleichungen und Abschleifungen in C. So erklärt sichdie abweichende Fassung des Stropheneingangs 81 f. (an 32 f.angeglichen), so wohl auch die Fassung von C 105: Ich rat»ch frowen und uch mannen, die den ursprünglichen Vers einerstehenden Rufzeile anähnelt (s. Anm. zu R 101) und dannauch den Reim etwas verquer ändern muß; denn dies Daz«- die hochfart laßet dannen 'daß ihr die Hoffart beiseite laßtsieht ganz nach einer Nothilfe aus. Über die Einebnung derKehrreimstücke ist schon gehandelt worden (S. 132). JJieFassung von V. 9 Der bihte rehte, lo sunde vorn konntegegenüber dem schlichteren Er UM und lass die sunde yarnR als eine bewußte, literarisierende Änderung erscheinen;aber O 79 erweist wohl ihren volksliedmäßigen Ursprung.Das gleiche gilt für ein böse geselle C 3 (nach O 7; vgl. S. 129);das gleiche vielleicht auch für das konjunktivische si O18. 29. 94: hier erweisen jüngere Rufe die Echtheit (vgl.Anm.). Noch unbedenklicher ist es in andern Fällen, die Ab-weichungen von C als Varianten natürlicher Volksliedentwick-] ung zu verstehen: leichte Ausdrucksänderungen wie US 26d is 41, su dir 63 (= O), ein marg 83; Umstellungen innerhalbdes Verses wie in V. 68 (=0).

Aber man würde fehl gehen, wenn man alle kleinen undanscheinend unbeabsichtigten Varianten auf diesem Wegeerklären wollte. Darin nämlich liegt das Eigenartige desClosenerschen Textes, daß er neben den Reutlingischen gehaltenauf der einen Seite volksliedhafte Weiterbildung zeigt, auf derandern Seite aber sich als eine bewußt literarisierende Um-gestaltung darstellt. Das Volkslied hat sich eine leichte Um-dichtung gefallen lassen müssen; ihre Absicht war in der Haupt-sache, das aus dem Rahmen fallende strophische Maß derDreireimstrophen (RI 1, II 2 und 3) zu beseitigen und so weitw ie möglich die Reimpaarstrophe durchzuführen. So wirdalso in Str 1 der Dreireim zu zwei Reimpaaren gestreckt. Zudiesem Zweck muß in V. 1 der Plural eintreten: die büßenbellen (sonst nur noch in der Magd. Schöppenchron., s. u.S - 154), zu demselben wird V. 4 hinzugedichtet. V. 5 f. sind