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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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136 Die deutschen Geißlerlieder.

der dramatischen Marienklagen) noch in den italienischenLauden feststellen können, wenn sich gerade in diesem Bezirkeauch Vergleichbares bietet (s. o. S. 84 f.). Auch hier mag einälteres Stück geißlerischen Liedbesitzes vorliegen. Die Str. 3ist weit weniger ausgeprägt. Ihre Eingangszeilen gehören schonlange vor 1349 epischer geistlicher Dichtung an (Pfannen-schmid S. 171) und halten sich bis in späte Rufe. Daß siegelegentlich auch in Marienklagen auftreten (s. Anm.), brauchtnichts für einen ursprünglichen Zusammenhang von Str. 3und Str. 4. 5 zu besagen.

Handgreiflich ist die nachträgliche Verschmelzung alterGeißlerverse mit andersartigem Versgut in dem Schlußteil.Es ist oben (S. 86 ff.) gezeigt worden, daß hier eine Marienklageausgepflückt ist und daß die Verse 113116 in italienischenMarienklagen ganz nahe Entsprechungen haben. Das bedeutetfreilich noch nicht, daß diese Versgruppe eine alte Einheitbildet. Zwar kennen die deutschen Marienklagen vergleich-bare Formmischungen (s. Schönbach S. 4); doch scheint dieVerspaare 113 f. und 115 f. ein Stilunterschied zu trennen(s. Anm.). Aber wie dem auch sei, deutlich ist, daß die Ver-kuppelung dieser Versreihe mit der schon 1260 überliefertenSchlageformel von V. 117 jungen Datums sein muß. Es istunmöglich, daß diese Formel (die in R überdies ihre Reimzeileverloren hat) von Haus aus in der Mitte einer Strophe ihreStelle hatte; das hat schon Zacher gesehen (s. u. S. 153). Siemuß anfänglich für sich bestanden oder ein Gesetz eingeleitethaben. Sonst könnte sie nicht verschiedentlich in der Über-lieferung als das Kernstück des Geißlergesanges angeführtsein. Man möchte ja meinen, daß die Schlageformel auchmelodisch seit alters festlag, und könnte sich von da aus zudem Schluß gedrängt fühlen, daß die nach Melodie, Rythmusund Reimweise gleichen Verse 115 f. ad hoc hinzugedichtetseien, um die Brücke zwischen 113 f. und der Schlagefor-mel zu bauen. Aber man beachte wohl, daß in R die Schlage-formel ihren echten alten Auftakt nu eingebüßt hat, natürlichder Übereinstimmung mit den parallelen Zeilen zuliebe. DieVermutung liegt sehr nahe, daß die Schlageformel ursprüng-lich auch melodisch die völlige Parallelität im Bau ihrer beidenHälften anerkannte: nu slaht uch sere / in Cristes ere. So bleibtalso der Möglichkeit Raum, daß wie die Formgebung auch die