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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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234 Di e deutschen Geißlerlieder.

Ausgleichungen verändert: V. 82 sieht neben 74 unursprüng-lich aus. Ob die zweite Ehestrophe III 4 einen alten Platzinnerhalb der Sünderstrophen hat oder spätere verstärkendeZutat ist, bleibt unsicher. Dagegen ist III 5 ganz greifbarjüngerer Anwuchs: von inhaltlichen Gründen abgesehen (s. 0.S. 51), auch ihre predigende Haltung bringt einen ganz neuenTon in diesen Teil. V. 103 folgt dem alten Geißlerruf: Durchgot so lat die sünde mere (der freilich in R fehlt), V. 104 scheintzurückzugreifen auf 42 (vgl. 83). Wieder eine Stufe für sichstellt vermutlich III 6 dar. Der imperativische Eingang derStrophe eröffnet die Möglichkeit, daß sie im Anschluß an dievorhergehende entstanden ist. Inhaltlich ist sie nichts als eineWiederholung von Str. I 2; aber man begreift den Grund ihresAnwachsens: als Abschluß des Sünderkatalogs erschien einsolcher Hinweis auf Buße und Gnade erwünscht. Man beachteübrigens, wie sich auch die Kehrreimverteilung dieser ausandern Gründen gewonnenen Gruppierung der Strophen fastwiderspruchslos fügt. Eines störenden Faktors ist freilich nochnicht gedacht worden: in Str. III 6 laufen klingende Vers-schlüsse durch 1 ), die die vierfache Wiederholung der Melodie-phrase a bedingen, anscheinend ein neuer Grund für ihre Ab-sonderung. Diese besondere metrische Form läßt vielleichtden Schluß zu, daß die Strophe erst in einem Entwicklungs'zustande anwuchs, wo die kehrreimartige Verlängerung derStrophen innerhalb der Lit. schon feststand, die die notwendig 0Ergänzung durch die b-Zeilen ermöglichte. Aber wie stehtes dann mit der Str. II 4? Sie weicht ja nicht nur durch denklingenden Reim in V. 67 f., sondern auch durch den über-schüssigen Vers 69 (den man nicht gern für nachträgliche! 1Einschub erklären möchte), von dem Normaltypus derStrophe ab.

Aufs ganze gesehen stellt sich der dritte Teil als der jüngs teund in der Höhenlage niedrigste von den dreien dar: die Sünder'Strophen zeigen formal die größten Ungleichmäßigkeiten, siesind stofflich zum Teil sehr dünn, und sie machen unbekümmerihre Anleihen, teils untereinander, teils bei älteren Stücket 1der Liturgie. Das ist Volksdichtung tiefster Schicht.

Etwas anspruchsvoller schreitet schon formal Teil 1einher. Denn die Dreireimstrophen 2 und 3 sind die für diesen

>) Zur Reimbehandlung von geben : leben 109 f. vgl. 6 f. 95 f.