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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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130 D' e deutschen Geißlerlieder.

Liederdichtung des 13. und 14. Jh.s bekanntlich sehr häufigfindet (vgl. Daniel Thes. hymn. Bd. 2). Auch das lateinischeMarienlied, das Runge S. 42 aus Hugos Hs. abdruckt und irrigals Geißlerlied auffaßt, zeigt sie: flos fiudoris, dos amoris, rosdulcoris. Aber es handelt sich eben im Lateinischen, wie indiesen Beispielfällen, um dreireimige Kurzverse; und so über-nimmt sie auch die deutsche Dichtung 1 ). Metrisch gleich-gebaute Dreireimer finden wir dagegen in den Lauden deritalienischen Geißler; vgl. etwa

Madre, 0 vergene Maria

Priegha per not, 0 virgo fia,

Che Gesune tolga via

L'aspra morte e pistilentiaaus einer Lauda aus der Cittä di Borgo s. Sepolcro, die aufdie Pest des Jahres 1349 zielt-). Man kann diese (der ita-lienischen Ballata entlehnte) Strophenform als die in der Lau-dendichtung vorherrschende bezeichnen; z. B. enthalten dieLaudi Cortonesi del secolo XIII. , die G. Mazzoni ver-öffentlicht hat (Propugnatore II 2, 205 ff., III 1, 5 ff.), zudrei Vierteln Lauden der angegebenen metrischen Form.Und auch in anderen Sammlungen drängen sie sich, zu-weilen mit verkünstlichter Grundform, ganz stark hervor.Nach dem, was früher über die Verbindungsfäden zwischenden italienischen und den deutschen Geißlern, auch zwischenihrem Liedbesitz gesagt worden ist, liegt es gewiß nahe,auch hier an eine Beeinflussung zu denken. Wie sollte sonstdie deutsche Geißlerliturgie zu einer Strophe gekommen sein,die der italienischen Ballatenstrophe fast aufs Haar gleicht 3) ?

1) z. B. Meister Alexander, Jenaer Liederhs. i, S. 45. Auch meister-singerische Dichtung des 14. Jh.s kennt natürlich den Dreireim als Strophen-teil, aber gewöhnlich mit anderem Reimgeschlecht (z. B. Kolmarer Hs. Nr. 17 1bis 179; vgl. auch 181). Aber in dieser Sphäre würde man ohnehin nicht nachVorbildern suchen.

*) abgedruckt von Schneegans S. 69.

3) Es wäre zu erwägen, ob sich die Frage der Abhängigkeit nicht auchvon der musikalischen Seite her klären läßt; denn es gibt auch Laudenhand-schriften aus dem Besitze von Disciplinatenbruderschaften, die die Melodienaufgezeichnet haben, vgl. Mazzoni über den Cortoneser Codex, PropugnatoreII 2, 205. Aber das ist eine Frage, die musikhistorischer Forschung vorbehaltenbleiben muß. H. J. Moser, der in seiner Geschichte der deutschen Musik4 1(1926), 231 ff., ganz auf den unzuverlässigen Runge sich stützend, über dieMelodien der Geißlerlieder handelt, geht der Frage nach der Herkunft der