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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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122 Die deutschen Geißlerlieder.

(Riemann-Festschr., Leipzig 1909, S. 256 ff.) allerlei Material zur literarischenGeschichte dieses alten Rufeinganges und -restes zusammengestellt, leidervollkommen unkritisch. Dabei geben gerade diese Rufzeilen einen sehr wert-vollen Anschauungsstoff für die Frage der Literarisierung volksmäßiger Verseaus dem Bezirke der Litaneien {appropinquantibus . . . exercitibus ad con-ßictum Rüdoljus de Reno miles Basiliensis sonora voce cantavit, quod per ambosexercitus audiebatur: 'Domina saneta Maria, domina saneta', quod temporeletaniae rustici cantant Matthias von Neuenburg Mon. Germ. SS. nova ser.

4, 1, 31). Es ist, wie Hoffmann von Fall. Kirchenl. S. 69 Anm. mit Rechtbetont, dasselbe Lied gemeint wie in dem Bericht Ottokars, 'ein deutsches,das die Landleute zur Zeit der Bittfahrten in der Kreuzwoche sangen', wen»auch diese Anmerkung erst für die Zeit des Chronisten Gewähr hat. In RungeS'Aufsatz ist schon der Titel schief (der die erste Zeile des Geißlerliedes IIIgeben soll, s. S. 187); denn der volksmäßige Ruf sagte ursprünglich muoterunde maget; in dieser Form stehen die Zeilen recht fest, auch in höherer Dich-tung (der Vegeviur nach Runge S. 262; Wack. 2, S. 313,10 [Leich]; 2, 615,31 [AveMaria]; 2, 348,5 [geistl. Schauspiel]). Eine jüngere Zeit zerstört die strengeForm und führt die intaeta virgo ein. Im 13. Jh. erst in künstlicher Dichtung-Muoter und doch reiniu meit . . . Alliu min not si dir gekleit Ave-Maria-LeichV. 168 bei Bartsch Erlös. S. 200. Später auch im volksmäßigen Rufstil: MarinGottes Mutter, reine Magd usw. Kehrein 1, S. 672; vgl. Maria moder, milde mage 1usw. Wack. 2, S. 759, 12.

88 f. Diese condicionale Fügung ist eine typische stilistische Figur desgeistlichen Volksliedes; schon im älteren geistl. Spiel: Wer er als ein poserwihl NU heut erhangen aine, So weren bir verdorwen gar Mone Schausp. d. Mittelalt-er. 36, V. 137 ff.; gerade dialogische Marienklagen wie dies Stück legen dieVerwendung der Figur nahe (und werden zu ihrer Ausbreitung beigetragenhaben): in solchen Redeformen versucht Johannes Maria zu trösten; vgl-aus dem angeführten Stück V. 58 ff.; gehäuft nachweisbar wieder erst iojüngeren Quellen: Und war er nicht hingangen, So war der Tröster nit kommenHoffmann von Fall. Kirchenl. S. 177; vgl. 188. 195; Und wann Jesus nit werentstanden, So wer die Welt zergangen Ruf bei Wack. 2, S. 974,147; im Kunstliedeanders geformt: wan diu geburt, so wseren wir verlorn Meister Stolle Kolm. Hs-

5. 512. Burdach Reinmar S. 59 weist auf die Vorliebe hin, die volksrhäßig 6Gnomendichtung für hypothetische Satzformen zeigt; aber das liegt auf einerandern Linie.

91 herkömmliche Formulierung: Mit dir die werlt ist ganz erlost Von hellebant Marien Rosenkranz V. 2 f. bei Bartsch Erlös. S. 279; vgl. Zehnjung-frauenspiel V. 513 ff. Beckers.

96 f. Michael als ipuxoirouTtöc. ist stehend in jüngeren Rufen, Wack-2, Nr. 1223, 7. 1225, 32; vgl. ebd. 1231., 6. 1266, n.

Ehe an die Würdigung der Liturgie nach Form und Inhaltgegangen werden kann, ist es nötig, über ihre musikalischeGestalt zu Sprechen, wenigstens so weit sie für die textliche Formund den inhaltlichen Aufbau des Werkes von Bedeutung ist.Nicht nur dieLit., auch sämtliche andern Geißlerlieder hat Hugo