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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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104 Die deutschen Geißlerlieder.

erwünschte Illustration zu dem Berichte des Chronisten Hein-rich von Herford (s. o. S. 14) und ist gewiß ebenso wiedieser Bericht einem Augenzeugen zu danken. Auch andereNachrichten lassen erkennen, daß gerade in Westfalen dieGeißelbewegung sich stark entfaltet hat: eine Notiz der Lim-burger Chronik spricht von Maßregeln, die man in Westfalengegen ehemalige Geißler ergriff (s. u. S. 151); und Gerhardvon Coesfeld, Rektor der Schule in Münster, hat nochwährend der Geißelfahrten einen 'Tractatus de flagellariis' ge-schrieben (Heinrich von Herford a. a. O. S. 282), den ich leidernicht habe ermitteln können. Ein schreibgewohnter, alsogebildeter Mann hat das Lied aufgezeichnet, das seine Heimatdurchscholl, man mag erwägen, ob es nicht der ärztlicheBesitzer der Handschrift war, der ex officio wie an der Pestauch an den Geißlern Interesse nehmen mußte.

Der folgende Abdruck fußt für Hugo von Reutlingen (R)und den niederdeutschen Text (O) auf den Handschriftenselbst, für Closener (C) auf guten Photographien. Er folgt imganzen den Grundsätzen der 'Deutschen Texte des Mittelalters'.Es sind also nur offenbare Schreibversehen verbessert; dochsind die Änderungen im Text nicht durch besondere Letterngekennzeichnet, also nur aus dem Apparat zu ersehen. Zutatenstehen in Klammern. Gegenüber dem Schwanken von R und Cist die Majuskel am Verseingang und bei Eigennamen durch-geführt worden. Die Interpunktion, die sich in den fortlaufendgeschriebenen Texten RC im wesentlichen auf die Reimpunktebeschränkt, in dem Zeilen absetzenden O noch dürftiger ist,konnte vernachlässigt werden.

In R sind eine besondere graphische Eigentümlichkeit dieZirkumflexe, als nach rechts geneigte spitze Winkel gegeben. Indiesem Punkte zeigt der Abdruck von Runge eine heillose Ver-wirrung, indem er die Zeichen bald übergeht, bald zu Unrecht an-setzt, bald mit dem übergeschriebenen i vermengt; sie haben indesBedeutung genug, um säuberlich beachtet zu werden. Sie be-zeichnen gewöhnlich den Diphthongen {die, matt, loüfen, vrowusw.; vgl. auch ahn für ainen; sträss, wäg für strauss, waugnach schwäbischer Art), auch in andern Fällen offenbar Abstu-