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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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103
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Die Liturgie (Lied i). jqq

daß der niederdeutsche Aufzeichner der Liturgie eine hd.Passung des Liedes ins Nd. umsetzte, sei es daß er die Geißlerauf hochdeutschem Boden beobachtete, sei es daß er einenihm schriftlich vorliegenden hd. Text sprachlich umschrieb,Wobei denn allerlei hd. Reste übergeblieben wären. Aber dasw ird, an sich eine künstliche Annahme, recht unwahrschein-lich, wenn man bei genauerem Zusehen findet, daß der Triebz um hd. Schriftbild innerhalb des Textes fühlbar nachläßt.Arn deutlichsten spricht die Schreibung des verschobenen°der unverschobenen t: hier ballen sich die s-, z-, te-Schreibungenlr » den ersten 36 Versen, um danach den ^-Formen den Vorrangz u lassen. Bei der k- Verschiebung ist freilich nicht das gleichezv r beobachten: die cA-Formen verstreuen sich vielmehr überden ganzen Text. Aber dabei will bedacht sein, daß die spiran-tisch geschriebenen Pronominalformen, um die es sich da inerster Linie handelt, offenbar nicht rundweg als hd. Ver-schiebungsformen aufzufassen sind. Andere mnd. Texte be-stätigen bekanntlich die Wiedergabe des auslautenden k durchc h, namentlich nach i. Aber was och und sich recht ist (Lasch§337). muß ich billig sein (Lübben §43), zumal das heutigeNd. die Form manchenorts mit dem Spiranten spricht (vgl.Deutscher Sprachatlas Karte 4). Da das Nd. auf ostfälischemßoden auch die Formen mik, dik (oder mek, dek) besitzt, ver-langen möglicherweise selbst die mich-, dich- Schreibungen desTextes noch ihre eigene Betrachtung. Jedenfalls begegnetensich bei dem auslautenden ch mnd. und hd. Schreibübung.

Auch wenn man die Verteilung der doppelten Pronominal-tormen her, he; wir, wi; ir, gy; (mir fehlt) mi; dir, di beobachtet,stellt sich heraus, daß die hd. Formen sich in den ersten 35fersen zusammendrängen, abgesehen von dem geballten Auf-treten von ir 8486. Die nebeneinander erscheinenden Forment1 * acc. 'euch' 37 und uch (häufig) haben dabei außer dem Spielez u bleiben, iu zwar ist wohl als nd. ju zu deuten, um so mehrals nach Ausweis des Sprachatlas noch heute das nördlicheWestfalen diese Form spricht; uch dagegen ist nicht ohneWeiteres als hd. anzusprechen: westfälische Urkunden desI 4- Jh.s haben es (Lasch §403 Anm. 11), das südliche West-laien spricht es nach dem Sprachatlas heute noch.

So ist das Denkmal also kein Zeugnis für die holländischenGeißler, sondern für die westfälischen; es gibt die höchst