Druckschrift 
Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

102 Die deutschen Geißlerlieder.

6. 9. 24. 25. 47 1); stets uns; ir 84 zweimal. 85. 86, aber gy 65. 78 zweimal. 79-87; uch dat. und acc. 48. 64. 66. 79. 80. 86, aber iu acc. 37. Stets s« im nom.und acc. plur. (wie im fem. sg.); dat. en 57; auch die entsprechenden Formendes Artikels und Demonstrativums stets de, dat. sg. den 53, dem 85; (s)we'wer' 1. 5.

Man sieht, der hd. Einfluß im Reim, im Sprachgebrauch,in der Schreibweise ist nicht gering. Einige Einzelheiten kommennoch hinzu: die Suffixform dornet 17, die Kontraktionsformenlan (: vorgaen) 73, aber auch außerhalb des Reimes: la 75.lan 79; den gehen dod 53 (statt mnd. gaen); he had (praes.)mehrfach, saghe 92; dies im Hinblick auf die Konsonanz schonMischformen. Derlei häufiger: moter 30, guden 34, lebe 32, ont-wichen 72; wohl auch war mide 16 und das zweimalige dorch50. 67 gegenüber häufigem dor. Eigentümlich ist auch kleuen(= mhd. kliebent) 31, da das Mnd. das Verbum nur als klouenzu kennen scheint.

Dies sprachliche Bild zeigt einwandfrei ein westlich ge-färbtes Schriftniederdeutsch. Die Pronomina zumal, soweitsie nicht ausgesprochen hochdeutsch sind, weisen fast aus-nahmslos die herrschenden mnd. Schreibformen auf. Die großeschriftgerechte Gleichmäßigkeit der mnd. Textgestalt ist esaber gerade, die eine genauere Ortsbestimmung innerhalbdes westlichen Mnd. erschwert. Nur ganz weniges hebt sichals landschaftlich bezeichnender heraus: am gewichtigsten istsolen, regelmäßig ohne k; das könnte westfälisch sein (Lasch§443 Anm.); hauet (: tauet) 8 bedingt der Reim; aber mit wirhauen 9 zusammen kann es als westfälisches Kennzeichengelten (Lasch §439 Anm. 1), wenn nicht an hd. bestimmteMischform zu denken ist; die e-Form von trene 33 stellt Lasch§ 365 Anm. 3 im Münsterischen fest; wultu 20 (vgl. Lasch§ 447) und dusse 88 (vgl. Lasch § 407 Anm. 1) fügen sich wenig-stens einigermaßen dieser Lokalisierung; auch das mehrfachevrowe(n) paßte dazu (Lasch § 197), wird aber eher hd. sein.Am wenigsten will es zu diesen landschaftlichen Kennzeichenstimmen, wenn der Plur. des Praes. fast ausnahmslos -en zeigt;das müßte auf die Rechnung westlicherer Schriftsprache kommen.

Was die Erklärung des hd. Einschlages anlangt, so istan sich statt der oben gegebenen vielleicht die Ansicht möglich,

') Übrigens mit der eigentümlichen Verteilung, daß vor dem Verburnstets wir steht, nach dem Verbum stets wi; nur rope wir 21 weicht ab. Dassatzunbetonte Enklitikon wahrt also seine nd. Lautgestalt am besten.