Die Liturgie (Lied i). gg
Hoffmann von Fallerslebens verhochdeutschter Text (Gesch.des dtsch. Kirchenl. S. 145 ff.) zählt nicht.
Die Sprache des Denkmals erklärte Maßmann als 'sassisch'(S. 41). Hoffmann von Fallersleben verwarf das in einerBesprechung des Maßmannschen Buches (Neue krit. Bibl.für das Schul- und Unterrichtswesen hsg. von Gottfr. SeebodeBd. 7 [1825]. Teil I, S. 549 ff.) und behauptete, die Liturgie sei(wie das andere Stück) mittelniederländischen Ursprungs,u nd zwar aus der Gegend von Overyssel und Geldern, aber voneinem westfälischen Schreiber entstellt. In seiner Gesch. d.Kirchenl. S. 145 Anm. bezeichnet er das Lied schlechthin alsniittelniederländisch, 'und zwar in der Mundart der östlichenGegenden Hollands nach Westfalen zu'. Ein Beweis für diesevöllig aus der Luft gegriffene Behauptung wird nicht ernstlichversucht. Trotzdem hat sie sich zu behaupten vermocht, undzwar dank der Autorität, die Hoffmann von Fallersleben inHolland genießt, gerade auch auf niederländischem Boden(vgl. Paul Fredericq, Geschiedenis der inquisitie in de Neder-landen 2 [1897], 74); das Stück wird unbefangen als einDokument der niederländischen Geißlerbewegung abgedruckt(Fredericq Corpus 2, 136 ff.; ders. Onze historische Volks-Hederen [1894] S. 24 ff.). Bei uns ist diese Ortsbestimmung,freilich ohne den Hinweis auf das Westfälische, in dem etwasRichtiges steckt, von Hand zu Hand gegeben worden, vonFörstemann (S. 268) bis zu Pfannenschmid (S. 170). Zachersbessere Lokalisierung ('niederteutsch' Ersch-Gruber Realenzykl.I 56, S. 250) wurde übersehen.
In Wirklichkeit ist der Sprachstand des Denkmals allesandere als niederländisch, und es liegt kein Grund vor, es einemanderen mundartlichen Gebiet zuzuweisen als dem West-fälischen, auf das der Fundort der Hs. deutet. Auch dasandere deutsche Stück, die Minnemäre, gibt nichts her, um eineHerkunft der Hs. aus den Niederlanden wahrscheinlich zuniachen, wie es doch wohl Maßmanns Meinung war: denn diesStück will hochdeutsche Sprache geben, wenn es auch dieniederdeutsche Hand des Einzeichners nicht verleugnet. Frei-lich ist es bei der Geißlerliturgie auf Grund ihres Sprachstandesnicht möglich, den Ort oder doch die Landschaft der Auf-zeichnung mit einiger Sicherheit zu bestimmen: das hd.-nd.Sprachgemisch des Textes, der deutlich auf schriftsprach-