98 Die deutschen Geiülerlieder.
Die Chronik ist nur in einer Handschrift überliefert, dieals Nr. 91 der deutschen Manuskripte der Nationalbibliothekzu Paris gehört; nach C. Hegels Vermutung (Ausg. Einl. S. 13)handelt es sich um die Reinschrift der Closenerschen Arbeit.Die erste Ausgabe der Chronik, also auch der Geißlerlieder,lieferten A. W. Strobel und A. Schott (Bibl. des Liter. Ver-eins in Stuttgart Bd. 1, 1842), philologisch noch nicht genau.Auf diesen Text beruft sich der Uhlandsche Abdruck(Alte hoch- und niederd. Volksl. Nr. 311), der auch dieniederdeutsche Fassung der Liturgie benutzt. Den erstenorthographisch genauen Abdruck lieferte die Ausgabe vonC. Hegel im 8. Bande der 'Chroniken der deutschen Städte'.Doch erwies sich eine erneute Vergleichung der Handschriftals recht ergiebig. Auszugsweise wurde Closeners Chronikabgedruckt im Code historique et diplomatique de la villede Strasbourg Bd. 1 (Straßb. 1843); vgl. Hegel Einl. S. 12.Auf ihm fußt Wackernagels lesbar gemachte Ausgabe(Altd. Lesebuch 4 S. 1066—68), die einige Textänderungenbringt.
Zufrühest ist eine niederdeutsche Fassung der Liturgiebekannt geworden. Dorow fand im Osnabrückischen einelateinische Pergamenthandschrift in Quart aus dem 14. Jh.,medizinischen Inhalts. Auf den Innenseiten des Vorder- undHinterdeckels sind zwei deutsche Stücke eingetragen, dortdie Liturgie, hier eine Minnemäre in Reimpaaren, deren Inhaltder Streit von sieben Frauen um einen Mann ist. Diese Minne-märe ist von einer andern Hand geschrieben als die Liturgie,steht auch in Sprache und Orthographie für sich.
Die Hs. ging in Meusebachs Besitz über; ich kann sie nichtmehr feststellen. Die deutschen Stücke bewahrt die PreußischeStaatsbibliothek als mscr. germ. qu. 671. Erstmalig hat sie, mehrals primitiv, Maß mann abgedruckt (Erläuterungen zum Wesso-brunner Gebet des achten Jahrhunderts. Nebst zweien nochungedruckten Gedichten des vierzehnten Jahrhunderts, Berlin1824, S.39ff.). Einen erneuten Abdruck der Liturgie gab J. Fr.C. Hecker, Der schwarze Tod im vierzehnten Jahrhundert,Berlin 1832, S. 88; Lachmann hatte für ihn den MaßmannschenText mit der Hs. verglichen. Doch war dieser Abdruck ebenso-wenig ganz sauber wie der auch wieder auf die Hs. zurück-gehende bei Ph. Wackernagel, Das dtsch. Kirchenl. 2, S. 336f.