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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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97
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Die Liturgie (Lied i). Qn

im übrigen einige leichtere Störungen, von denen nur derhäufigere «-Verlust im Infinitiv stärker hervorsticht (vgl.Weinhold Bair. Gramm. § 167): himelriche: geliche: entwichen53 ff.; sösse: gebössen 59, wo die Hs. mit sössen einen Not-reim herstellt; staine: wainen 113; auch galten (d. sg.): vallen 37ist verdächtig neben gälte (a. sg.): alle 67 (vgl. Weinhold Mhd.Gramm. §461); am härtesten gar: vorn 31. Mehrfach varn:er barn (= erbarmen) 8. 83. 103 (Weinhold Bair. Gramm.§ 169). Mehrfach got: tot 16. 35 (ebenda § 55). Alles Reime,die einer Beheimatung des Textes in Österreich wenigstenslicht entgegen stehen, wenn man einmal weiß, daß diedeutsche Geißlerbewegung in Österreich ihren Ausgang ge-kommen hat und deshalb dort die Liturgie ihre erste Gestaltgewonnen haben muß. Der Binnenreim tan: zergan 56 wider-spricht kaum; die apokopierten Formen hend: wend 39, arm(plur.): erbarm (conj.) 41 passen gut; die Melodie sichert hierdie gekürzten Formen; ebenso kunigin: gewin ( = gewinnen) 51.($*') zerbrechent: rechen infin. 65 ist schwäbische Umschrifte *nes österreichischen Reimes. Die (noch ziemlich maßvollen)^yn- und Apokopierungserscheinungen im Versinnern würdene mem österreichischen Text des 14. Jahrhunderts nicht wider-sprechen.

Vor der Auffindung der Chronik Hugos von Reutlingenstand die Kenntnis des geißlerischen Zeremoniells, in Sonder-heit ihrer Liturgie in der Hauptsache auf Fritsche Closeners^traßburger Chronik. Die Chronik ist 1362 beendet worden,die Aufzeichnung steht also um mehr als ein Jahrzehnt vonden Ereignissen des Jahres 1349 a ^- Aber auch hier stellt unse m Augenzeuge in aller Ausführlichkeit das Geißlerwesen dar.Wie weit Closener ältere Aufzeichnungen benutzte, steht dahin;die Geißlerpredigt muß ihm handschriftlich vorgelegen haben,aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Lieder: sein Text scheint"Vereinzelt Lesefehler zu enthalten (s. u. S. 143). Freilich istdie handschriftliche Vorlage fühlbar überarbeitet worden, s.S- 139 ff. Gelegentlich hat ein elsässischer Sprachzug auf dieseWeise Eingang in den Text gewonnen. Die Frage, ob durchCloseners Aufzeichnung die andersartige Schreibform seinerVorlage hindurchscheine, ist zu verneinen: die schreibgewohnteHand des Autors hat den Liedern vollkommen die gleichesprachliche Gestalt gegeben, die die umgebende Prosa aufweist.

H übncr, Geißlerlieder. 7