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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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81
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Die italienischen und die deutschen Geißlerlieder. Q1

anzuknüpfen sind, eine besondere Rolle gespielt hat. Umsomehr. s das ganze Lied den Disciplinaten wie auf den Leib geschnitten1St - Unter den Martern, die die mater dolorosa mit anzusehen"at, wird die Geißelung ganz einseitig hervorgehoben: ViditJesum in tormentis Et flagellis subditum Str. 4 (nach der Fassungdes Missale Romanum, Daniel Thes. hymnol. 2, S. 133). DerWunsch, die Leiden des Gekreuzigten mitzuleiden, wählt For-m ulierungen, die an das sinnliche Mit- und Nachleiden derdisciplinaten denken lassen: Crucifixi fige piagas Cordt meov alide Str. 6; Passionis fac consortem Et piagas recolere Str. 8;Ptfc nie plagis vulnerari Str. 9. Kein Wunder deshalb, wenn sichdie Sequenz nach Stoff und Haltung mitten in die italienischeLaudendichtung hineinstellt. In ihr haben ja auch die 'laudidella santissima croce' die Vorherrschaft, und diese Laudengestalten nicht nur immer wieder den für die Geißler nahe-legenden Gedanken, daß der Mensch Christi Leiden zu wieder-holen habe, sondern sie stellen auch, wie das Stabat mater,°-as Mit-Leiden des Menschen in Beziehung zu dem der MutterGottes. Natürlich bleibt noch die Frage zu beantworten, wieWeit die große Sequenz vorbildhaft innerhalb der Lauden-dl chtung gewirkt hat. Im ganzen aber sind die Bezüge so stark,Qaß die Vermutung sich meldet: die Sequenz hat das Discipli-^atentum vor Augen und ist möglicherweise für Zwecke derL'isciplinaten geschaffen worden 1 ).

Jedenfalls, um zu der deutschen Dichtung zurückzukehren,*ann es kein Zufall sein, daß das Hauptlied der Bianchi und das^ernstück der deutschen Geißlerliturgie mit derselben Stropheeginnt; auch geographisch stimmen, nebenbei bemerkt, dieln ge, insofern als die Bianchi vom Norden Italiens, genauer:er Dauphine, ihren Ausgang genommen haben. Man wendelc bt ein, daß der Unterschied zwischen der volltönenden la-unischen Strophe und den armseligen drei deutschen VersenZu groß sei, um die eine als unmittelbares Vorbild der andern

') Nach herkömmlicher Auffassung soll in Stellen wie den oben aus dema bat mater ausgehobenen ein Hinweis auf die Stigmatisation des hl. Franziskusle gen (Diction. of Hymnology loSif.): man möchte einen Franziskaners Dichter haben, auch um eine neue Stütze für die Verfasserschaft desac opone da Todi zu gewinnen. Das mehrfach wiederholte plague, in«bmdung mit den flagella, scheint mir freilich eher auf die DisciplinatenWp isen. Im übrigen schließt eine Auffassung die andere nicht notwendig aus.

H a b n e r , Geißlerlieder. 6