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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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Die geschichtlichen Zeugnisse für das Geißlerlied. 73

met dietschen sanghe (als ic versta)

sij .ij. vore, alle dander na,

ende riepen op Gode met oetmoede,

dat Eise vander gadoot hoede.-Die letzten beiden Verse scheinen indes darauf hinzudeuten,^ a ß bei dieser Gelegenheit auch wieder Elemente des Geißel-ieises Verwendung fanden. Die Zeile taucht freilich auch ineinem Marienlied bei Hugo von Reutlingen auf (Lied III, 12);ab er es wäre gewiß zu kühn, wenn man aus dieser Überein-stimmung den Schluß ziehen wollte, daß eben dies Marienliedhi er erklungen ist, davon ganz abgesehen, daß in ihm die Bitte"Um Behütung sich an Maria richtet, daß auch das deutscheLie d kaum als ein Lob Marias und Gottes bezeichnet werdenkönnte').

Gerade mit dieser Bezeichnung aber kommen wir zu dergrößten Schwierigkeit, vor die die niederländischen Berichte denForschenden stellen. Ein anderer, ebenfalls zeitgenössischerAut or, Jan de Klerk, erzählt:

Waer si quamen metter spoet,

songen si alle enen sanc,

di hem gheduerde even lanc

dat si hem met gheeselen sloeghen,

ende daer na even wel voeghen

dockte, als si er scieden of:

ende dien Meten si Onser Vrouwen lof.

Fr edericq Corp. 1, 194. Danach hätte also derselbe Gesang, der^ie Geißelung begleitete, auch Anwendung gefunden, wenn dieG eißie r abzogen; und dieser Gesang soll ein 'Marienlob' gewesenSei n. Nun hat freilich lof im Mnl. wie im Mnd. die allgemeinere^edeutung von 'hymnus'; gleichwohl läßt sich die Bezeichnung°nser Vrouwen lof auf die deutsche Geißlerliturgie nicht an-wenden, sehr viel eherauf die wallonische Liturgie (s. u. S. 158).D enn dies Stück, an sich dreigeteilt wie die zugrunde liegendeputsche Liturgie, verteilt die Schwergewichte völlig anders,be ginnt mit Maria und läßt sie im ganzen viel stärker hervor-treten, enthält sogar breite ausgesprochen hymnische Partien:hler würde die Bezeichnung 'Onser Vrouwen lof nicht über-

z ) So ist wohl zu interpretieren, trotz dem Dativ bei loven; vgl. Ver-'Js-Verdam Mnl. Woordenb. 4, 846.