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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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Die geschichtlichen Zeugnisse für das Geißlerlied. 71

Niederfallen, das jedesmal erfolgte, cum . . . fsallendo venerintad fartem cantionis, ubi de fassione Cristi mentio fit, entsprichtdurchaus dem Gebrauch des oberdeutschen Zeremoniells, unddie Erwähnung der 'passio' muß die Stelle meinen: Jesus wartgelabt mit galten usw. (Lied I, 37 «■)• Auch H Muisis > dessenDarstellung der Zeremonie sich im einzelnen mit Heinrich vonHerford gegen Closener berührt, wird demnach auf den allge-mein gebräuchlichen Leis zielen, wo er sagt: habebant cantilenamordinatam secundum suum idioma, quam cantilenam tnciptebantcantores ordinati, caeteris una voce respondentibus S. 358. Aberder Ausgang des Aktes wird durchaus anders dargestellt undhatte andere Lieder als bei Closener: quibus ferachs surgebantet cantando de beata Virgine iuxta suum idioma ibant ad se re-vestiendum. Et -pluries, antequam revestirentur ante imaginembeatae Virginis, in aliquo loco cantum suum finiebant. Wennman weiß, daß Doornik ein berühmtes Marienbild besaß, dasTausende von Geißlern gerade in dieser Stadt zusammenströmenJ ieß, so wird diese Bevorzugung Marias im Gesang unschwerverständlich. Closener dagegen weiß in diesem Zusammenhangenichts von einem besonderen Gesänge. Sein Bericht sprichtnach der Geißelliturgie erst wieder von einem Liede, als sichdie Geißler auf dem Rückweg von der Stätte der Geißelung mdie Stadt begeben, und da singen sie den Einzugsleis 'Nu ist diebettevart so her', unser Lied II (Clos. S. 118).

So kann es denn nicht überraschen, wenn wir in nieder-iändischen Quellen Angaben über die Lieder finden, die vondem abweichen, was uns aus den großen deutschen Berichtengeläufig ist*). Zwar gibt es genug gleichlaufende Darstellungen.Verschiedene, freilich erst jüngere Quellen (s.u. S.156I) zitierenjene Schlageformel, die als ältester Besitz der deutschen Geißler-Heder feststeht: Slaet u seer door Christus eer, Door God sootoet die sonden meer. Ob sie in demselben Zusammenhang auf-traten wie in den deutschen Liedern, ist damit freilich noch nichterwiesen. Immerhin darf als ziemlich gesichert gelten, daß dieGeißelliturgie, wie ins Niederdeutsche, in Bausch und Bogena uch ins Niederländische umgesetzt worden ist. Der Kron-beweis freilich, den man dafür anzuführen pflegt, verfangt

') Beiseite lassen dürfen wir farblosere späte Berichte wie den des Cor-pus Zantfliet: se mutuo cum virgis et flagris acutis percutiebani, cantanteset 'ani more suo cantilenas quasdam devotas Martene et Durand 5, 293.