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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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70 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.

gilt für die Notiz des Heinrich von Diessenhofen quicantabant et veniam peccatorunt suorum petentes et insuper sejlagellantes et in terram cadentes usw. Boehmer 4, 73, wo mitder 'venia peccatorum' auch nur Rahmenelemente des Leisesgemeint sind.

Betont sei, daß öfter die Tatsache ausdrücklich hervorge-hoben wird, daß die Gesänge der Geißler in der Landesspracheerschollen (s. o. vulgariter; cantu vulgari). Das Villinger Anni-versarienbuch sagt an der obgedachten Stelle: multa cantantesTheutunis verbis; ähnlich Benessius de Weitmil: cantantescantilenas in theuthunico Mon. hist. Boemiae hsg. von Dobner 4(1779), 34. Und gelegentlich nehmen solche Angaben einenabschätzigen Klang an: Carmen quoddam inconditum in linguagiosuo et lamentatione decantantes heißt es bei Johannes Dlu-gossus Hist. Pol. (1711), Sp. 1094, womit dem Worte'incon-ditum' offenbar das charakteristisch Volksliedhafte der Liedergetroffen werden soll.

Bunter sind die Angaben über den Liedbesitz der niederlän-dischen Geißler. Die Hauptquelle für diesen Bezirk, die Chronikdes Abtes von St. Martin in Doornik Aegidius li Muisis (s. o.S. 15), sagt ausdrücklich, daß die Geißelungszeremonie ver-schieden gehandhabt wurde: Nee est praeter eundum quod aliquaesocietates, una plus quam alia, afflictiones diversas faciebantS. 358. Das versteht sich fast von selbst; namentlich der Ein-fluß und die Teilnahme von Geistlichen mußte der Liturgiebesondere Formen geben. Was dies Moment bedeutet, wirdeinem fühlbar, wenn man die niederländischen Beschreibungenmit den deutschen vergleicht. Aber auch auf deutschem Bodenlassen sich, wo wir ausgiebigere Darstellungen haben, im einzel-nen Unterschiede des Rituells nachweisen; man vergleiche vorallem die Schilderung Heinrichs von Herford mit der Closenersund der gleichlaufenden Berichte. Indes sind die Abweichungennicht derart, daß sie nicht doch die Anwendung eines und des-selben Geißelleises zuließen. Auch Heinrich von Herfordhat deutlich ihn im Sinn, wo er erzählt: Omnibus stantibus etbinis binisque processionaliter ordinatis et sociatis duo ex eis inmedio processionis ineipiunt alta voce cantionem unam devotamcum melodia dulei, unum versum eius ex integro prosequentes.Et processione tota illum versum cantando resumente, cantoresseeundum versum prosequuntur a. a. O. S. 281. Das dreifache