Die Geißlerpredigt. 53
Liturgie erfolgte, so wie wir sie bei Closener und Hugo von Reut-lingen lesen, mit dem Brief texte übereinstimmte, den die vonClosener in Straßburg beobachteten Geißler verwendeten.
Es ist nun eine Frage von großem Belang auch für dieBeurteilung der Liturgie, ob erst die Geißler des Jahres 1349d en Himmelsbrief zur Grundfeste ihrer Bewegung gemachthaben, oder ob die Verbindung von Brief und Geißlertum älterist - Für die Beantwortung der Frage ist schon dies bedeutsam,da ß das Rahmenwerk, mit dem die Predigt den Brief um-kleidet, ganz deutlich über die deutschen Grenzen hinaus inden Süden weist. An den König von Sizilien wendet sich dasV °lk von Jerusalem um Rat, nachdem es auf dem Altar vons t. Peter daselbst den marmelsteinernen Himmelsbrief gesehenu nd die furchtbare Botschaft des Engels vernommen hatte.U nd von Sizilien hat dann die Geißelfahrt ihren Anfang ge-nommen. Unter den Geißlern von 1349 gab es also eine Über-lieferung, die wußte, daß die Geißelbewegung von Italiengekommen war. Sie ist freilich denkbar phantastisch: derKönig von Sizilien soll die Wallfahrt zum König von Krakaugebracht haben (Clos. 116, 28 f.); man wird also kaum nacheiner bestimmten historischen Anknüpfung für diesen Königv °n Sizilien suchen dürfen. Ob in dieser Vorstellung nichtaber doch eine vage Erinnerung an die letzten Staufer lebt?■c-ine Tradition, die in die Zeit der ersten, aus Italien herüber-gefluteten deutschen Geißelbewegung zurückreicht, könntedann mit der zweiten sich verschmolzen haben. Nun enthältder Himmelsbrief freilich selber Züge, die auf südländischenUrsprung weisen (vgl. Pfannenschmid S. 156): ich han üch8 e sant von körne, von wine und olei genüg Clos. 112, 7 (freilichbiblisches Zitat, s. Joel 2, 19; Haggai 1, 11; bei Stumpf nurVl num et frumentum); so wil ich loßen vollen blutigen regenlos. ii3 ( 21 (Stumpf: mutant super vos lapides cum igne ferventi) ;a nwibe gebüt ich den Sarracenen und andern heideschen lüten,az sü vergießent üwer blüt und vil gevangen mit in furent Clos.Il2 > 12 f. u. ö. Aber das hätte kaum dazu führen können,s ° konkrete geographische Angaben mit dem Brief zu verbinden,Wle der Rahmenbericht es tut.
Noch eine andere Stelle des Briefes weist über das deutscheGe ißlertum von 1349 hinaus. Es ist einer der schönsten Nach-weise Pfannenschmids, daß die Zeitangaben des Briefes mit