50 Voraussetzungen und Grundingen des deutschen Geißlerliedes.
Sündenlisten als die Closenersche Fassung. In dem von Stumpfmitgeteilten Himmelsbriefe heißt es: audite omnes fiofiuli, auditefierfidi et iniqui, et malefactores, fures, adulteri, fornicatores, coin-quinati in malitia, rafitores, iniusti, sacrilegi, mendaces, iniquiiudices, quibus veritas non est, in cordibus vestris mala cogitatisS. 14. Aber auch das genügt noch nicht. Wir brauchen dienoch längere Sündenliste, wie sie der von Priebsch mitgeteilteBrief 1 ) enthält: audite omnes fiofiuli, audite fierfidi et iniqui etmalefactores, fieriuri, falsi testes, homicide, blasfihematores,fures, adulteri, fornicatores, coinquinati omnimalicia, rafitores,iniusti, sacrilegi, mendaces, iniqui iudices, quibus veritas nonest in cordibus vestris, qui decifiitis alter utrum cum loquela et incordibus vestris mala cogitatis. audite vos qui dimittitis uxoresvestras et fier alienas itis, sciatis quia firofie est temfius vestrefierditionis S. 59, Z. 149 ff. Hier haben wir also die Sünder bei-sammen, gegen die sich die Strophen des dritten Stückes rich-ten; und es zeigt sich, daß die Strophe Ir lugener, ir main-swörere usw., die man an sich zunächst für eine freie Umdichtungdes Passus alle die bi gotte sweren frevelliche Clos. 115, 14 f. haltenkönnte, in Wirklichkeit die genaue Wiedergabe einer Quelledarstellt, die nur eben eine andere war als die ClosenerschePredigt. Es fällt auf, daß das Sündenregister die Ehebrechermit besonderem Nachdruck und wiederholt vornimmt. Nichtanders ist es ja in der Liturgie, in der ihnen auch zwei Strophengewidmet sind; der Gedanke drängt sich auf, daß das in derQuelle begründet liegt. Es fehlen in der Sündenliste freilichdie 'usurarii'; und obgleich an anderen Stellen des Briefeswiederholt gegen sie angegangen wird, also Anhalt genug dawar, um ihnen eine Strophe zu widmen, — vielleicht darfman doch vermuten, daß es Fassungen des Himmelsbriefes gab,in denen sie auch in dem oben angeführten Sünderkatalogihren Platz hatten 1 ). Ohne Anknüpfungsmöglichkeit in demHimmelsbrief ist schließlich die Strophe von der Hoffart; aber
') Er stammt aus der Münchener Pergamenths. 21518 und ist von einerHand des 12. Jh.s geschrieben.
*) Die kurzen Angaben über den Inhalt des Himmelsbriefes bei Matthiasvon Neuenburg, die übrigens das Zusammengehen von Brief und Liturgiebesonders fühlbar machen, heben den Wucher ausdrücklich hervor: in qua(sc. epistula) narrat angelus Christum offensum contra mundi pravitates pluraexprimens crimina: violacionem diei dominice, et quod non ieiunatur in feriassxta, blasphemias, usuras, adultcria usw. a. a. O. S. 271.