Die Geißlerpredigt. 47
iange Kette ähnlicher Erzeugnisse an, wie sie schon in der früh-christlichen Zeit bekannt sind. Ihr Inhalt ist seit alters eschato-iogisch gefärbt: der Schreiber des Briefes, Gott, verlangt, daßdie Christen sich bessern, und gibt ihnen auch ins einzelnegehende Gebote deren Innehaltung sie vor dem Hereinbrechendes Gerichtstages schützen soll. Die historischen Quellen fürdie große deutsche Geißelbewegung bieten mehrfach Hinweiseauf den Inhalt des von den Geißlern benutzten Himmelsbriefes x);vollständig gibt ihn mitsamt der umrahmenden Predigt nurClosener in seiner Straßburger Chronik (S. in ff.) 2 ). Es isterwiesen, daß diese deutsche Fassung die Umsetzung einerlateinischen Vorlage ist, die in mehreren Versionen bekannt ist(vgl. Diu vröne botschaft ze der Christenheit hsg. von RobertPriebsch [1895] S. 23ff. 33 ff-): die 'Historia flagellantmm,Praecipue in Thuringia' des Erfurter Kartäusers AugustinusStumpf (hsg. von Heinrich August Erhard in: Neue Mittel-hingen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschungen,h sg- von K. Ed. Förstemann Bd. 2 [1835]. 1 ff.) D ietet uns denHimmelsbrief als ein Dokument der Geißlerbewegung in einerWeiteren lateinischen Fassung, die Priebsch noch nicht verwer-tet hat.
^WdTms. 731, Bl. 4 2 rb ), die gerade auf den Himmelsbrief den größten Nach-druck legen:
De celo lapsam dicunt quandam fore capsamMarmore praeclaram sancti Petri super aramLitterolis gratis scriptum digito deitatis.
«J Chronicon Elwacense Mon. Germ. SS. 10, 4 °: Heinrich von Diessen-hc *n bei Boehmer Fontes rer. germ. 4. 74; Fredericq Corpus 2, 119.
J > Nach Clos. S. in waren Brief und Rahmenpredigt in einem Schrift-stü * zusammengefaßt. Es enthielt sich aller Angriffe auf die Geistlichkeit.Cl °seners Zeugnis geht also auf Geißler gemäßigter Richtung. Die Quaestiod « Breslauer Handschrift (s. o. S. 22) gibt einen Eindruck von der Predigtextremer Formen der Bewegung; aber auch sie läßt erkennen, welche Rolle derHimmelsbrief immer in der Geißlerpredigt gespielt hat: Quantum ad dictaew "m sciendum quod in suis predicationibus tria faciebant. Primo vitam cleri-c °r«m omnes et quidam etiam religiosorum virulenter lacerabant. Secundo ™ c "» nm isterium misse et venerandum corporis et sanguinis domini nostri Jhesu Chris tsa cramentum injuriose blasphemabänt, asserentes quod infra 17 ™ nos nunquamali 1»is sacerdos veram missam et recto ordine celebravit nee sacramenium venera-li °ne eukaristie consecravit, quia per Mos 17 annos sacerdotes suas, de qutbus**■• legerunt insanias, liieras suppresserunt. Etiam propier quod execrahesse »< et sie nee conficere nee ligare nee solvere homines potuissent. Ideoque int»°ximo lapidandi essent Bl. 142'. Dann folgt die o. S. 24 ausgehobene Stelleer die Befreiung vom Fegefeuer.