40 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.
die rechte Beleuchtung erfahren. Wenn die Doorniker Statutenvon dem neu eintretenden Mitglied verlangen, daß es sich ver-pflichte faciendi de bene acquisitis testamentum sive ordinationem,so fragt man sich: wozu solche Vorsorge, da doch die Geißel-fahrt nur einen reichlichen Monat währte. In den italienischenGenossenschaften aber hatte das seinen guten Sinn: natürlichsollte der Testator in seinem Testament die Bruderschaft, dieeine Dauereinrichtung war, bedenken; und deshalb wird in denitalienischen Statuten gerade dieser Punkt mit großer Sorgfaltbehandelt (vgl. die Statuten aus Siena S. 41, Bologna S. 24,Modena S. 382). In anderen Fällen ist es so, daß uns italienischeQuellen die statutarische Unterlage geben für bezeugte Ge-bräuche der deutschen Geißler, denen in den erhaltenen Sta-tuten aber keine Regel entspricht. So lesen wir in der Beschrei-bung Hugos von Reutlingen V. 318 (Runge S. 28):Nee nisi confessus hiis fratribus associatur,Quique satisfacere lesis per verba probatur.Man halte dagegen die Eintrittsbestimmungen aus den Statutender Disciplinaten von Maddaloni: secnndo, lo deano fare con-fessare; tertio, lo deano fare reconciliare, se avesse hodio conqualeche persona a. a. O. S. 421. Auch das ist schwerlich einZufall, wenn die Bestimmung über das 'reconciliare', die manin den holländischen Statuten vermißt, bei Hugo wie in deritalienischen Quelle auf die gleiche Bestimmung vom Beichtenfolgt. Closener berichtet, die Geißler dürften nicht mit Frauenreden; das deckt sich mit einer Regel der Brügger Statuten,wiederum einer mönchischen *). Dann sagt er weiter: weheaber daz brach, daz er zu einre frowen rette, der knüwet für irenmeister und bichtet es ime, so satte ime der meister büße undschlugen mit der geischeln uf den rücken (S. 106). Dem ent-spricht in den holländischen Statuten nichts, wohl aber habendie italienischen die zugehörige Regel: quahmque fratre fallessein aleuno de li capitoli per aleuno casu che li avenesse, degia girea lo cappellano overu ad uno de li mastri et dicere come ave fallato,und der legt ihm, wie das folgende lehrt, eine penetencia auf,Stat. aus Maddaloni S. 423.
') caveant omnes fratres a prolixis colloquiis mulierum Generalconst. desFranz.-Ordens, a. a. O. S. 106; in den italienischen Statuten eingeschränkt:che niuno possa parlarc ad alchuna rinchiusa ne mandare lettera ne messo Stat.aus Siena S. 46.