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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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20 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.

bewegung auftrat, wenigstens auf italienischem Boden. Wasdie Entwicklung in Deutschland anlangt, so scheint es, alswenn die Bewegung in ihrem Voranschreiten verschiedene sozialeStufen durchmaß: in ihren Anfängen rekrutierte sie sich an-scheinend aus höheren Schichten, möglicherweise irgendwie einWiderschein italienischer Verhältnisse.

Auch die Nachrichten für 1349 gewähren kein ganz einheit-liches Bild. Der Augenzeuge Hugo von Reutlingen berichtet:

prespiter atque comes, miles, armiger hiis sociaturhiisque scolc varii se coniunxere magistriet monachi, cives, ntrenses atque scolares

Runge S. 24, V. 252 ff.,

eine Stelle, bei der man freilich die poetische Stilisierung in Rech-nung zu setzen hat. Und ein anderer Augenzeuge HeinrichvonHerford schreibt: fuerunt inter eos etiam quid am spectabiles,probi et honesti viri, sed et episcopi, puta (1. puto ?) Trajectensiset ceteri, quamquam communiter de plebeis terrarum et etiam deribaldis collecti fuerint S. 282. Die Mehrzahl der Zeugnissestellt sich auf die Seite dieses 'communiter'. Die Verdammungs-bulle Clemens VI. spricht einfach von profana multitudo simpli-cium hominum (Fredericq Corpus 1, 200). viri non literati sagenVerse aus einem Anniversarienbuch aus Villingen, Zeitschr. f. d.Gesch. d. Oberrheins N. F. 18, 45. Das gleiche meint ClosenersAngabe S. 118, wo die Beteiligung gelehrter Geistlicher aus-drücklich ausgeschlossen wird; und für spätere Quellen stehtdiese Beurteilung im ganzen fest. Auch eine Angabe wie diedes Heinrich von Diessenhofen besagt noch nicht vielanderes: ad quomm societatem plures Constantienses accesserunt,non tantum pauperes immo eciam ditiores a. a. O. S. 74. Aufder anderen Seite wird die Teilnahme Gebildeter ausdrücklichunterstrichen. Nach Matthias von Neuenburg warenunter ihnen sacerdotes et literati J ), und gerade die Teilnahmevon Klerikern ist oft bezeugt (vgl. auch Fredericq 2, 125. 131),wenn auch ein so summarischer Bericht wie der des HermannKorner: In hac secta erant episcopi, clerici et layci diversorumstatuum et sexuum (Chronica novella hsg. von Schwalm S. 56)falsche Vorstellungen wecken muß. Man wird nicht leugnen,daß innerhalb einzelner Bruderschaften Gebildetere die Führung

z ) Nach der Fassung bei Urstisius, Script, rer. germ. 2 (1585), 149.