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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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18 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.

zu den von Herrenberg und gen Tüwingen und gen Rotenburg,und ist also kummen uf den Rin in alle stete, große und kleine,und in Elsas, nu fürent wir, die von Liechtenouwe, dise wallefartS.nöf. 1 ). 'Closener deutet freilich auch an, wie andereFormen sich entwickeln konnten: wenn die Bußfahrt von33 r /i Tagen beendet war, so hüben sie manche, statt nach Hausezurückzukehren, von neuem an (S. 118). Alle Wahrscheinlich-keit spricht dafür, daß diese wuchernde Form der Ausbreitungweit regelmäßiger war, als die Quellen erkennen lassen *).

Man darf sich auch durch die Riesenzahlen, die die Quellenz. T. nennen, nicht beirren lassen. Am glaubhaftesten sind dieAngaben, die 40, 60 oder allenfalls einige hundert Mann alsStärke der einzelnen fahrenden Bruderschaften angeben 3): höch-stens solche Mengen kann die Organisation der Sozietäten fassenund übersehen, wenn auch damit zu rechnen ist, daß ein großerTrupp aus mehreren Bruderschaften bestand. Die Zahlen, diein die Tausende gehen, wollen vorsichtig betrachtet werden,ohne daß sie doch in jedem Fall auf Übertreibung zu beruhenbrauchten. Manchmal werden die Quellen Gesamtsummenmeinen, die sich durch Addition zeitlich aufeinanderfolgenderEinzelscharen ergeben. Anderseits wird deutlich, daß bestimmteOrte (Klöster, Wallfahrtspunkte) und bestimmte Gelegenheiten{Kirchweihen) eine besondere Anziehungskraft auf die Geißler

') Die sprechendsten Nachrichten haben wir bezeichnenderweise wiederaus den Niederlanden; man vergleiche vor allem li Muisis 348f. 354f. Dazuandere Nachrichten wie et adonc alerent casqune compagnie trente trois jourset demi; il rentroient en äs villes et chiUs ou chasiiaus, dont il estoient issu JehanFroissart bei Fredericq Corpus 2, 131.

3 ) Einmal belehrt, liest man sie auch aus geschwellteren Darstellungenheraus: ex singulis autem nationibus vel fortassis et urbibus se consociantes pertotam ierram discurrebant Heinrich von Herford S. 281; auch von der Pro-paganda für das Weitertragen der Bewegung ist die Rede: docentes . . . quipenitentiam quam ipsi exercebant per XXXIIII dies perageret, quod talis a suispeccalis foret absolutus Heinrich von Diessenhofen bei Boehmer Fontesrer. germ. 4, 73.

3) 40 vel 60 vel inlerdum plures, scilicet centum et supra Mon. Germ.SS. 9, 656 (zum Jahre 1261); sehr bezeichnend: flagellatores in Alamaniainsurrexerunt ubique in maxima multitudine, quia interdum octoginta simuliverunt etc. Heinrich von Rebdorf bei Boehmer Fontes rer. germ. 4, 561;und namen ir hundert oder zwaihundert oder mer oder minner ainen maisterKonrad von Megenberg, Buch der Natur, hsg. von Pfeiffer S. 217; auchdie genauen Zahlenangaben bei li Muisis S. 354 f. bleiben gutenteils unter 100.