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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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Einführung. g

des Mittelalters, wie es für den Adel des Mittelalters gilt.Vielleicht sollte man einmal versuchen, eine Darstellung dermittelalterlichen Literatur nicht von den Dichtern, sondernvom Publikum her aufzubauen; ohne Zweifel würde auch dieBetrachtung von Dichter und Dichtung dabei gewinnen.

Die Geißlerlieder des vierzehnten Jahrhunderts stellenden Betrachter, was die Frage des Publikums anlangt, vorungewöhnlich günstige Verhältnisse. Hier bietet uns die Über-lieferung einmal, was sie uns sonst vorenthält: ein rundes Bildvon den Trägern des Liedes und den Formen seines Lebens.Der erschütternde Eindruck, den das Auftreten der Geißler-scharen allerorten hinterließ, hat viele Federn in Bewegunggesetzt, in Italien, dem Heimatlande der Geißlerzüge, ebensowie in Deutschland. Ihnen danken wir es, wenn jenes Bildlebendig bewegt ist und uns auch den Wechsel des Hinter-grundes sehen läßt. Zugleich gewinnt die Frage des Publikumshier wieder ein neues Gesicht. Die Geißlerlieder sind Volks-lieder, das besagt: der Unterschied zwischen den Schaffendenund Aufnehmenden schwindet, das Publikum übernimmt selbstdie Rolle des Dichters; das Lied wird aus einem Erzeugnisdes einzelnen zu einer Funktion der Menge und ist nur nochvon dieser Seite aus verständlich. Die moderne Volkslied-forschung hat uns den Artunterschied von Kunstlied undVolkslied erkennen lassen; sie hat uns den Blick geschärftfür das Besondere der Entstehungsbedingungen und der Daseins-formen auf dem einen und dem anderen Felde. Auch die Be-trachtung der älteren deutschen Literatur hat öfter Anlaß,sich mit dem Problem des Publikums, so wie wir es eben sehen,auseinanderzusetzen. Man denke nur an die älteste deutscheLiebeslyrik, bei der die Fragen von Volkslied und Kunstliedlange noch nicht entschieden sind. Die Forschung wird sichhier mehr als bisher geschehen Erkenntnisse, die am lebendenVolkslied gewonnen sind, zunutze machen müssen. Die Geißler-lieder sind weitaus der günstigste Ansatzpunkt, um die anjüngeren Liedern ausgebildete Methode der Volksliedforschungauf mittelalterliche Dichtungen zu übertragen. Sie sind eindoppelt dankbarer Gegenstand für solchen Versuch auch wegender Weite des Horizontes, in den sie den Betrachter stellen.Denn dieser Horizont dehnt sich von Italien bis zu den Nieder-landen; es ist eine seltene Gunst der Umstände, die uns die

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