205Ganze, nicht am Rande oder über der Linie, sondern imfortlaufenden Texte ganz deutlich zu lesen waren.!) Alsohätte die Verfälschung in den ersten vierzehn Jahren nachBeschluß der Windesheimer Chronik und noch bei Lebzeitenihres Verfassers Statt finden müssen und das von einemOrden, der damals nicht daran dachte, sich durch die Schrif-ten eines seiner Mitglieder Ruhm zu erwerben, dessen gan-zes Streben vielmehr auf Vonsichweisen alles Aufsehnerregenden ging und der in Verborgenheit das menſchliche Le-bensglück setzte. Wer möchte das glauben?Unseres Erachtens ist die Sache entschieden. Sollteaber je der leidige Streit wieder entbrennen, so wird eszur Abwehr vor allem nöthig sein, die Codices, worauf dieGegner des Thomas sich berufen, genau zu untersuchen.Nach der Klugheitsmaxime sich in Friedenszeiten nicht alleinin Vertheidigungszustand zu setzen, sondern auch sich zumAngriff zu befähigen, müßten jetzt schon über alle dem Tho-mas zugeschriebenen Werke und jedes einzelne insbesonderetüchtige bibliographische Arbeiten unternommen und kritischeStudien gemacht werden.?) Dies möge auch von den Bü-chern über die Nachfolge Christi in so fern gelten, als esnicht außer Acht zu lassen ist, daß es vier verschiedene Ab-handlungen sind, die nicht in einem nothwendigen Zusam-menhang stehn. Sie sind zu verschiedenen Zeiten verfaßtund nach Anlage und Behandlung ihres Stoffes durchausverschieden. Die Frage: ist Thomas a Kempis der Ver-fasser des Werks von der Nachfolge Christi? darf in dieserFassung gar nicht mehr aufgeworfen werden; sondern esmuß heißen: worauf gründet es sich, daß das erste — wor-auf, daß das zweite — worauf, daß das dritte — worauf,daß das vierte Buch jenes Werks von ihm herrührt? Aufdiese Weise wird der Wahrheit endlich der Sieg bleiben!01) Der Codex ist bald nachher verkauft worden, befindet sich aberhoffentlich noch irgend in einer Bibliothek. Das über die Stelle vondem Antiquar H. Heberle sel. am 22. Sept. 1823 ausgestellte Zeugnißist noch in meinen Händen. Der Verfasser.) Siehe oben XIII. S. 159.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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