192Mittel es erlaubten, ein solches in dem Hause selbst sollteerrichtet werden. Was aber kluge Leute befürchtet hatten,traf ein. Die Beiträge flossen gar zu kärglich. AußerhalbKempen wollte man, was zwar egoistisch klingt, aber durch-aus in unseren Zuständen begründet ist, nicht einsehn, wieman Auswärtigen zumuthen könne, die dortigen Hülfsbedürf-tigen zu unterhalten. Ueberhaupt war übersehen worden,daß eine Armenversorgungsanstalt mit der Geschichte, demWirken und der Lebensauſchauung desjenigen, der durch dieStiftung geehrt werden sollte, in keiner unmittelbarenBeziehung stand. Es war also nicht zu erwarten, daß seine,allerdings durch die ganze Welt verbreiteten Verehrer, einesolche Anstalt als ein Mittel sein Andenken zu verherrlichenauffassen würden. Leute, die es damals unterlassen haben,ihre Ansichten zu verlautbaren, meinten aus dem Ertrage desdurch freiwillige Beiträge als Thomasstiftung erzielten Grund-ſtocks hätten alljährlich arme aber wohlverdiente Schülerunter gewissen Feierlichkeiten unterstützt werden müssen oder,wenn die Mittel hinreichten, hätte man ein Convictoriumfür sie errichtet. Dadurch wäre die Erinnerung an dieStudienzeit des Thomas und die Aufnahme, die er beiſeiner Wohlthäterin der edlen und milden Dame in Zwollund im Hause des Florentius gefunden hatte, geehrt worden.!)Oder zum Andenken an sein fleißiges Schreiben um Lohn,zugleich sein Hauptwerk: die Bücher von der Nachfolge zuehren, hätte jährlich die Vertheilung einiger Exemplare der-selben an brave Dienstboten Statt finden müssen. Auf dieseWeise wäre vorab dem Verdachte beabsichtigter eigensüchtigerZwecke vorgebeugt worden. Ueberhaupt aber mußte, da dasGesagte nur beispielshalber angeführt ist, die Thomasstiftungmit den Erlebnissen oder dem Hauptwerk ihres Namengebersin irgend einer, einem jeden, der damit nur etwas bekanntist, sich ergebenden Beziehung stehn. Dann würde die Theil-nahme eine größere und ausgedehntere gewesen sein.Das Gesagte veranlaßt uns, auch von der sinnigen Artund Weise, wie ihre Majestät unsere Königin das Andenkenunseres Thomas bei Sich zu ehren und bei Anderen zu er-halten pflegt, Erwähnung zu thun. Sobald sie Kunde davonerhalten hat, daß ein tugendhaftes, der katholischen Religion) Siehe Seite 107.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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