125Thomas a Kempis angenommen hatte, war eine besondereVerehrung der schmerzhaften Mutter eigen.!) Dem Gottes-dienste wohnten die Gläubigen stehend bei?) Bei der Em-porhebung der h. Hostie und des theuren Blutes Christi be-teten sie das h. Sacrament, wie auch jetzt noch, kniend an.Es bestand noch immer die im Mittelalter so sehr hervorge-hobene Sitte, die in unsern Tagen leider dem Bewußtseinder Gläubigen entschwunden zu sein scheint, daß in jenemMomente Aller Augen auf die göttliche Opfergabe gerichtetwaren. 3) Wer damals „den Leib des Herrn nicht gesehnhätte,“ würde nicht gemeint haben, er habe der h. Messebeigewohnt. Auch wurde das „Pax“ noch gegeben. Ob miteinem Instrument oder wie, ist nicht klar. Sein Zweckwurde in der Bedeutung aufgefaßt, welche wir jetzt der so-genannten geiſtlichen Communion beilegen.⁴) Die einer be-sonderen Gottseligkeit ergeben waren, hielten sich häufigwährend der ganzen Zeit des Gottesdienstes auf der Erdehingestreckt.5) Mit ausgebreiteten Armen beten war eben-falls bei solchen üblich, sie mochten aufrecht knien, liegenoder stehn. Auch damals war es Brauch den englischenGruß mehrere Male nach einander zu beten, ⁶) wie wir esnoch beim Rosenkranz zu thun pflegen. Die Schlußbittewar aber noch nicht üblich.In Frankreich, Spanien und anderen Südländern wares Brauch, daß bei der Prozession am Mariä=Reinigungs-tage und anderen Festlichkeiten ein blühendes Mädchen die1) III. Serm. 2 ad Nov. Solil. an. Cap. XXIV. Das Fest hieß:Compassio b. M. v. und wurde an einem Sonntag nach Ostern gefei-ert. In der St. Agnetenbergs Kirche war auf dem Kreuz=Altar dasBild der ſchmerzhaften Mutter, welche ſitzend den gekreuzigten Hei-land auf ihrem Schooße hielt. (Chr. s. Agn. Cap. XXVI. S. 114.Ob diese eigenthümliche Auffassung auch anderwärts zum Vorschein kommt?2) In praesentia ejus sta. vita ger. XVIII. 16.3) III ad nov. XI § 11. Vita ger. XVIII 14 — ut videas sa-cramentum §. 16 — Chr. wind. S. 415, 518 und 573. — VitaHenr. Brune § 64) Vita ger. magni VIII § 15. Diese Stelle ist für die Ge-schichte des kirchlichen Lebens merkwürdig.5) Vgl. Conc. XXVII § 13. Vall. lib. IX 1.*) Solil. animae XXIII § 3. Vgl. § 7. Ebend. § 6. Nachdem: benedictus fructus ventris tui Jesus, folgt gleich das Schluß-wörtlin: Amen.
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Nachrichten über Thomas a Kempis : nebst einem Anhange von meistens noch ungedruckten Urkunden
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