INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG
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Nichts bleibt Rodin, der die anatomische Erscheinungdes Menschen wie kein zweiter beherrscht, von all dentausendfältigen Regungen der Seele und ihrer Einwirkungauf die äußere Gestalt verborgen, und darin ist ihm wohlebenfalls kein zweiter gewachsen, solche blitzartigenEmpfindungen in so täuschender Vollkommenheit zufixieren. Gleichsam wie in seinem „Denker" verkörpertsich in Rodin ein ungemeines Maß von energischem Wollen,das schon ein gut Teil seiner titanenhaften Kraft bedeutet,einer Kraft, die, auf den eigenen festen 'Willen gestellt, allesvermag und alles bezwingt. Die Ausstellung zeigte eineigenes, aus einem schönen poetischen Gedanken herausentstandenes Werk, „Die Hand Gottes". Eine Riesenhand,die einen Tonklumpen preßt, aus dessen ungefügen Massenvon selbst die herrlichsten Menschengebilde emporsprießen.Eine ähnliche Kraft verkörpert der Meister selbst; seinGenie und der Glaube an sich selbst sind die Kraft, dersich unwillkürlich alles beugen muß, sind die Kraft, dieunwillkürlich alles zur Tat werden läßt. Zweifellos wardie Rodin-Ausstellung ein Ereignis fürs Leben, eine Be-wunderung erzwingende Demonstration menschlichen Geistes,von der nur zu wünschen ist, daß mit ihr ein Abschlußnach der von Rodin erstrebten Richtung geschaffen sein
Auguste Rodin
Dalou
Albert Bartholome
Adam und Eva
möge. Mit ihm steigt seine Kunst, mit ihmfällt sie. Wer es versuchen wollte, dort an-zuknüpfen, wo er aufhört, würde unbarm-herzig der Manier verfallen; es sei denn, daßer sich durch Not und Leiden denselbenWeg gebahnt hat, auf dem Rodin sich zuden Höhen seiner Erfolge in bitterer Arbeitdurchgekämpft hat.
Neben Rodin feierte Albert Bartholomeglänzende Triumphe. Wenn es Rodin mehrauf die drastische Wiedergabe leidenschaft-licher Erregungen ankam, so schien beiBartholome mehr die Freude am Erzählenin den Vordergrund zu treten. Zwar gehtauch er mit demselben Realismus vor, aberseine dem Leben abgelauschten Formen sindmehr von dichterischer Verklärung umstrahlt;es quillt aus ihnen ein diamantenklares Brünn-lein, das uns ein Lied aus vergangenen Tagenplätschert, in dem von Lust und Liebe, vonWehmut und Herzeleid, von Schuld undstillem Hoffen die Rede ist. Deshalb hatBartholome mehr noch wie Rodin den Rhein-ländern ans Herz gegriffen, weil er sie mitdenselben schwärmerischen Klängen zu ge-winnen wußte, die sie selbst ihr Lebtag ge-sungen haben und singen werden. Und des-halb wurde auch das „Monument aux morts",von dem man hatte sagen hören, daß es dasherrlichste Symbol irdischer Liebe sei, dasjemals einen Grabhügel geschmückt habe,mit hingebender Begeisterung bewundert. Undin der Tat, wohl kaum hat die „Liebe über