KUNSTHISTORISCHE AUSSTELLUNG
205
II.
Die Kunsthistorische Ausstellung
von Dr. Paul Clemen
DIE Kunsthistorische Ausstellungdes Jahres 1904 sollte zunächst eineErgänzung und eine Fortsetzung dervor zwei Jahren in Verbindung mitder Großen Düsseldorfer Industrie-,Gewerbe- und Kunstausstellung insLeben gerufenen KunsthistorischenAbteilung bilden. Jene erste vonglänzendem Erfolge begleitete retro-spektive Ausstellung hatte sich aufdie Werke der Groß- und Klein-plastik in Stein, Holz und Elfenbein,auf den Bronzeguß, die Edelmetall-kunst und die Werke der Keramik,auf Waffen, Möbel, Stoffe beschränktund auf diesen Gebieten in der sorg-samen Auswahl der hervorragendstenKunstwerke eine vollständige Ent-wicklungsreihe zur Geschichte derwestdeutschen Kunst von den spät-römischen Zeiten an zu bieten ge-sucht. Ihr Schwerpunkt lag in derkirchlichen Kunst des frühen undhohen Mittelalters. Weitaus diekostbarste, das größte Interesse unddas weiteste Aufsehen erregendeGruppe bildete die Zusammenstellungder großen romanischen Reliquien-schreine des Rheinlandes in Ver-bindung mit den verwandten Gold-schmiede- und Emailarbeiten.
Eine große Kunstgattung hattevon vornherein ausgesondert werdenmüssen, schon deshalb, weil ihreWerke allein den ganzen für dieAusstellung zur Verfügung stehen-den Raum gefüllt hätten, die per-sönlichste und am deutlichstensprechende Kunstgattung: die Malerei.Ihre Schöpfungen vorzuführen, warder zweiten Kunsthistorischen Aus-stellung dieses Jahres beschieden, die am 1. Mai in Gegenwart des Protektors eröffnet werdenkonnte. Sie trat damit ergänzend ihrer Vorgängerin an die Seite, beide zusammen wollten sie einvolles und geschlossenes Bild von der Höhe des früheren künstlerischen Schaffens im westlichenDeutschland bieten. Illustrierte die Ausstellung des Jahres 1902 vor allem die Jahrhunderte desfrühen und des hohen Mittelalters, so fand ihre Nachfolgerin ihren Schwerpunkt im 15. und 16.
Erzbischof Friedrich I. von Cöln
Cöln, Dombibliothek