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INTERNATIONALE VASENAUSSTELLUNG
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H
IV.
Internationale Vasenausstellung
von Dr. Friedrich Deneken
^I^INE Vorführung, deren Inhalt sich gleichermaßen an die Gartenbau- wie an die Kunstausstellunganschloß, war die „Sonderausstellung von künstlerischen Gefäßen für Blumen und Obst", welcheim Obergeschoß des Kunstpalastes zu sehen war. Sie enthielt Blumenvasen, Blumentöpfe,Jardinieren, Blumenampeln sowie Schalen und Tafelaufsätze für Obst in Porzellan, Fayence,Steinzeug und Metall. Wie bei der Auswahl der Arbeiten die Rücksicht auf künstlerischeQualität der Gefäße ausschlaggebend gewesen war, so hatte man auch von vornherein auf eine ge-schmackvolle Aufstellung der eingesandten Arbeiten Bedacht genommen. Die Gestelle und Schau-schränke dieser Abteilung waren von Professor Peter Behrens-Düsseldorf entworfen und von derMöbelfabrik H. Stroucken in Crefeld ausgeführt. Die schlichten, wohlgegliederten Schaumöbel mitihrem weißen Anstrich und ihren grünen, mattgelben und grauen Stoffbezügen gaben einen vortreff-lichen, ruhig wirkenden Hintergrund ab für die mannigfaltigen Farben und Formen der ausgestelltenGefäße. Die Ausstellung zerfiel in drei Abteilungen: eine französische, eine dänisch-holländische undeine deutsche. Unter den französischen Arbeiten sah man farbigglasierte Steinzeuggefäße von A. Bigot,Dalpayrat, Lachenal u. a., die zum Teil im Hause L'Art Nouveau durch Marcel Bing, Colonnaund G. de Feure mit Metallfassungen versehen waren. In der zweiten Abteilung bildeten die viel-bewunderten Porzellanarbeiten aus der Königlichen Porzellanfabrik und der Fabrik von Bing& Gröndahl in Kopenhagen den wirksamen Mittelpunkt. Ganz neuartige Erzeugnisse hatte dieKopenhagener Fayencefabrik „Aluminia" gesandt in Gestalt von rahmfarbenen Blumengefäßen,die nach Entwürfen der Maler Harald Slott-Möller und Joakim Petersen in kräftigen Farbenwirksam verziert waren. Große dekorierte Tongefäße, die auf hellgrauem und braunem Grund mitdunklen wolkenartigen Ornamenten von Künstlern wie Th. Bindesböll und Svend Hammershöibemalt waren, hatte die Kopenhagener Firma Ipsens Enke eingesandt. Eigenartig in Umrißführungund Ornamentik waren die Metallgefäße, die nach Entwürfen von Siegfried Wagner und H. Tvär-moes durch die Metallfabrik Tvärmoes & Abrahamson in Kopenhagen ausgeführt waren. Vonden holländischen Arbeiten fanden besonders die farbenfrohen Bauerntöpfereien Willem C. BrouwersLiebhaber und Käufer. Daneben sah man die Arbeiten der Amsterdamer Fabriken „Amstelhoek"und „De Distel" sowie formenschöne Metallgefäße Jan Eisenloeffels.
Ein sehr erfreuliches Bild bot die umfangreiche deutsche Abteilung. Sie legte Zeugnis dafür ab,daß sowohl in der Erzeugung künstlerischer Metallgefäße als auch besonders auf keramischem Gebietneuerdings bei uns Resultate erzielt werden, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Nebenden keramischen Arbeiten, deren Art von anderen Ausstellungen her bekannt waren, sah man eineganze Reihe völlig neuer Erzeugnisse. Unter diesen verdienen an erster Stelle die nach Entwürfenvon Theodor Schmuz-Baudiß in der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Berlin ange-fertigten, mit feinen Unterglasurmalereien dekorierten Porzellanvasen genannt zu werden. Neu warenauch die mit mattgrünen und blauen Glasuren überzogenen, wohlgeformten Blumenkübel, die dertreffliche Münchener Keramiker J. J. Scharvogel eingesandt hatte. Sehr eindrucksvoll war fernerdie Gruppe der Westerwälder Steinzeugfabriken; ihre teils graublauen, teils farbigglasiertenGefäße waren nach Entwürfen von H. van de Velde, Peter Behrens und Richard Riemer-schmid ausgeführt. Die von Kurt Randhahn in Bunzlau nach eigenen Entwürfen gefertigtenglasierten Steinzeuggefäße standen den Westerwälder Arbeiten kaum nach. Prächtig wirkten nebenden schlichteren Steinzeugarbeiten die starkfarbigen, glasierten Tongefäße von Max Läuger,Elisabeth Schmidt-Pecht, H. Seidler, H. St. Lerche sowie der Gebrüder Hans Fritz undRudolf von Heider. Unter den deutschen Metallarbeiten trugen die von Walter Elkan, Berlin,gefertigten Blumenkübel den Preis davon. Ihre wuchtigen Formen und die nach Art japanischerMetallarbeiten patinierte Oberfläche des Metalls gaben diesen Arbeiten einen ganz eigenen Charakter.Eigenartig und geschmackvoll waren auch die Metallgefäße, die von F. Hauser, J. Winhart & Co.,Josef Zimmermann, München und von Bernhard Wenig, Hanau, ausgestellt waren.
Die Gefäßausstellung wurde von Seiten des Publikums eifrig besucht und hatte einen überErwarten günstigen materiellen Erfolg. Bedeutsamer ist es aber sicherlich, daß diese vielbesuchteVorführung dazu beigetragen hat, die ausgestellten Arbeiten beim deutschen Publikum einzuführenund den Sinn für geschmackvolle Blumengefäße zu heben.