BEDEUTUNG DER AUSSTELLUNG
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VIL
Die wissenschaftliche, künstlerische und soziale Bedeutung
der Gartenbau • Ausstellung
1. Die wissenschaftliche Abteilung der Gartenbauausstellung
von Professor Dr. Noll
Als dem Referenten von der Leitung der Internationalen Kunst- und Gartenbauausstellung 1904der ehrenvolle Auftrag wurde, eine wissenschaftliche Abteilung der Gartenbauausstellung einzurichten,da brachte er seiner Aufgabe nicht allzu große Hoffnungen entgegen. Wußte er doch aus eigenerErfahrung, welchen Gefühlen die Aufforderung zu einer Beteiligung an derartigen Ausstellungen beiden Eingeladenen begegnet. Der Forscher, der über das wertvolle Material seiner eigenen For-schungen verfügt, trennt sich nur ungern von den beredten Zeugen seiner Entdeckungen, wie auchder Sammler nicht leicht die mühsam erworbenen und sorgfältig präparierten Schätze seiner oftjahrzehntelangen Bemühungen einem ungewissen Schicksale preisgibt, wie es die Verpackung, derTransport und die Ausstellung vor einer bunt zusammengewürfelten Menge mit sich bringt. Für dieDüsseldorfer Ausstellung kamen zu diesen allgemeinen Bedenken noch besondere Schwierigkeitenhinzu, die in der Konkurrenz der Weltausstellung 1904 in St. Louis, der Berliner Gartenbauausstellungim Frühjahr 1904 und der Dresdener Gartenbauausstellung 1905 gegeben waren. Selbst vergangeneAusstellungen machten, wie es sich herausstellte, Düsseldorf gegenüber eine starke Konkurrenz geltend,indem sie eine entschiedene Ausstellungsmüdigkeit der Beteiligten hinterlassen hatten, die häufig indrastischer Form zum Ausdruck kam. Der Erfolg der Einladungen für Düsseldorf war dement-sprechend zunächst entmutigend. Die Absicht, das beste und interessanteste wissenschaftlicheMaterial für Düsseldorf zu gewinnen, stieß, mit seltenen Ausnahmen, einerseits auf das Bedauern,daß dieses schon für St. Louis bestimmt sei, andererseits auf den festen Grundsatz, es nimmermehrfür eine Ausstellung herzugeben. Der Referent glaubte unter diesen Umständen von der Ein-richtung einer wissenschaftlichen Abteilung überhaupt abraten zu sollen und gab der Hauptleitungder Ausstellung seinen Auftrag wiederholt zurück, allerdings auch ohne Erfolg. Konnte das zumZiel gesetzte Ideal auch nicht verwirklicht werden, so sollte — wünschte man in Düsseldorf —wenigstens das Erreichbare mit aller Energie angestrebt werden.
Das Erreichbare aber war mehr, als man vorher zu hoffen wagen durfte. Statt der zuerst inAussicht genommenen halben Halle füllte es, von 86 Ausstellern eingesandt, reichlich eine ganze,in der schließlich noch Längswände improvisiert werden mußten, um von allem auch nur daswichtigste zeigen zu können. Auch eine ganze Reihe erstklassiger Sachen, die früher versagtblieben, wurden auf erneute Bitten hin gütigst zur Verfügung gestellt.
Herr Forstmeister Professor Möller-Eberswalde sandte sein Mykorrhiza und Hausschwamm-material in vollständigen Reihen prachtvoller Spirituspräparate und Bilder, Professor Freiherrvon Tubeuf-München seine Aufnahmen über die Nonnenverwüstungen in Bayern. ProfessorTschermak-Wien hatte höchst instruktive Tafeln über seine Untersuchungen bezüglich der Hybridi-sation gesandt, Correns-Leipzig seine Maisbastarde und -Xenien. Professor Hiltner-Münchenzeigte seine neuesten hochinteressanten Versuche über stickstoffsammelnde Leguminosenknöllchen,Professor Nestler-Prag Primelgift und seine Wirkungen. Professor Kirchner-Hohenheim hatteeine reichhaltige Sammlung von Bakterienknöllchen, Professor Schröter-Zürich eine herrlicheSammlung bestbestimmter japanischer Koniferen und eine Bambusen-Sammlung gesandt. Dr.Rikli-Zürich zeigte auf herrlichen Herbarblättern die eigenartige, durch viele Endemismen aus-gezeichnete Flora Corsikas, Dr. Benrath-Königsberg die noch merkwürdigere Flora der chilenischenund peruanischen Anden. Professor Zacharias-Hamburg hatte eine wertvolle Sammlung von
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