BEDEUTUNG DER AUSSTELLUNG
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Zu beiden Seiten des schmalen Pfades, der durch die Anlage führte, fand der Liebhaber schonmanch seltene Alpine in Blüte, welche hauptsächlich in den Ritzen, Spalten und Nischen derFelsen Unterkunft gefunden hatten. Allmählich regte es sich allerorten:
Aurikelchen, du musst dich eilen,
Und nicht so lang beim Putz verweilen.
Ach ja, die schönen Schlüsselblumen, wer hätte sie nicht gerne, diese ersten Sendboten, welcheuns Menschen nach langer Winterszeit den Schlüssel des Frühlings bringen.
Es brechen mit schallenden ReigenDie Frühlingsgeister los,Sie können es nicht verschweigen,Die Lust ist gar zu gross.Das Blühen will nicht enden,Es blüht das fernste tiefste Tal,Nun, armes Herz, vergiss die Qual,Nun muss sich alles, alles wenden.
Die Pracht, welche jetzt der Alpengarten in seinen mannigfachen Szenerien entfaltete und gegenEnde Juni den Höhepunkt erreichte, vermag eine bloße Schilderung nicht wiederzugeben. Vondiesen packenden, abwechslungsreichen Bildern, welche so wundervoll aufeinander abgestimmt warenund sich zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen, ging ein Zauber aus, lag ein süßer Duftdarüber, lösten Empfindungen in der Seele aus, die jeden davon überzeugte, daß diese Anlage eineaußergewöhnlich feine gartenkünstlerische Leistung darstellte. Man glaubte sich in ein Märchen-und Traumland versetzt, in ein kleines Paradies, welches sein eigen nennen zu können der Wunschvieler Besucher gewesen sein mag. Die leuchtenden blauen Sterne des Enzian, die vielfarbigenDraba, welcher Pflanze der Volksmund so trefflich den Namen „Hungerblümchen" gab, und vorallen Dingen als bekannteste unter allen Alpenpflanzen das in ein weißes, weiches Wollkleid ein-gehüllte Edelweiß, sowie noch viele andere echte Hochgebirgspflanzen erfreuten das Auge. Außerdem Gewässer bildeten Matten und Triften, als Mulden und größere Flächen zwischen dem Gestein,die Ruhepunkte in der Anlage, bepflanzt zumeist mit niedrigen oder polsterbildenden Gewächsen,die schon von weitem mit ihrem Blumenmeer, wie diverse Flammenblumen (Phlox), Aubrietien,Quendelarten (Thymus), Dianthus usw., oder dem freudigen Grün wie bei Sagina Linnaei, dem Augeentgegenleuchteten. Auch eine Reihe herrlicher Ziergräser, Farne, darunter der stolze Königsfarn(Osmunda regalis), und besonders wundervolle Moorpflanzen, wie Erika und Calluna in vielen Arten,Andromeda, verschiedene Alpenrosen, bekannter unter dem Namen Almrausch, ferner Sumpfporst,Moosbeeren, Bärentraube usw. vervollständigten als charakteristische Gewächse das Bild derEiszeitflora (Moor- und Alpenpflanzen), wozu auch noch manche Pflanzen der Ebene und dieGewächse der arktischen und antarktischen Zone gehören.
Im Juli erblühte die an Arten so reiche Gattung der Glockenblumen in den verschiedenstenFärbungen, ebenso Nachtkerzen, Sonnenhüte, Malven, nordamerikanische Bartfaden; am Gewässerprachtvolle Knöteriche, japanische Schwertlilien, verschiedene Spiersträucher, Gräser, Vergißmeinnichtusw. Von den mancherlei schönen Gehölzen sei nur eine Zwergmispel (Cotoneaster horizontalis)erwähnt, welche, wie der Beiname schon andeutet, sich durch einen wagerechten, kriechendenWuchs auszeichnet und sich deshalb vorzüglich zwischen Felspartien eignet. Doch nicht dieseEigenschaft allein hat sie so beliebt gemacht, vielmehr die nach der Blüte in übergroßer Anzahlerscheinenden erbsengroßen, korallenroten Früchte.
Noch einmal im Spätsommer, August und September, als die zahlreichen Heidekräuter ihreentzückenden Blumen öffneten, im Verein mit den noch immer unermüdlich blühenden Violacornuta, Papilio und Sylvia, dem arktischen Zwergmohn und noch vielen anderen Pflanzen, bot derAlpengarten ein farbenprächtiges Bild, bis schließlich im Oktober die Herbstaster in vielen Sortenden bunten Blütenreigen schloß.
Eine ebenfalls sehr interessante Sammlung echter Alpinen, allerdings nur in geringer Anzahl,hatte Herr Albert Hochstraßer aus Cronberg a. T., anschließend an den Arendschen Alpengarten,auf dem spitzen Zipfel nach Norden ausgestellt. Leider wurden die Pflanzen viel zu spät gepflanzt,wodurch dieselben, zumal bei der furchtbaren Hitze des verflossenen Sommers, nicht so recht zurEntwicklung kamen und ein kümmerliches Aussehen zeigten, obschon sie an und für sich eineBeachtung sehr wohl verdienten.