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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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WISSENSCHAFT!.., KUNSTL. UND SOZIALE

düngen die verschiedenen Hindernisse nehmend, unterwegs noch einige Tümpel bildend, sich durchden größten Teil der Anlage hinzog und schließlich in einem kleinen Teich endigte. An einerbesonders hervorragenden Stelle oberhalb des Teiches, von wo aus sich die ganze Anlage trefflichüberschauen ließ, hatte man durch vorspringende Felsmassen Raum für ein kleines Plateaugeschaffen. Als stummer Führer durch die Anlage diente ein geschickt angelegter kleiner Pfad,der vorbei an den schönsten Stellen, bald über Matten und Triften, neben den Gewässern undFelsen hinlaufend, es gestattete, die Schönheiten aus allernächster Nähe zu betrachten. Zweibreite Wege führten oberhalb und unterhalb der Böschung vorbei, so daß der Alpengarten von allenSeiten gut in Augenschein genommen werden konnte. Am Bürgerbräu vermittelte eine breiteTreppe die Verbindung zwischen dem oberen und unteren Wege, während eine natürlich in dieGesteinsmassen eingehauene Felsentreppe auf die Hälfte der langen Böschung dieselbe Annehm-lichkeit bewirkte.

Es sei bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam gemacht, daß die Gesteinspartien, abgesehennatürlich von dem landschaftlichen Reiz, nicht etwa ihrer selbst willen aufgebaut werden, sondernsie bedeuten hier nur ein Mittel zum Zweck, um den Existenzbedingungen der Pflanzen gerecht zuwerden. Selbstverständlich darf dies unter keinen Umständen auf Kosten der natürlichen Gruppie-rung und des Aufbaues der Gesteinsmassen erfolgen. Im Gegenteil, die Felspartien müssen unterallen Umständen naturwahr sein. Ob nun die Anlagen klein oder groß sind, ist dabei gleichgültig.Ja gerade bei der Herstellung kleiner Partien ist die größte Sorgfalt zu verwenden und oft wirdmit den einfachsten Mitteln der größte Effekt erzielt. Halten wir einmal Umschau in den Gärten,so werden wir beobachten, welch häßliche Gebilde von allerhand Gesteinsanlagen, ohne jede Natür-lichkeit, ganz willkürlich und plump dort aufgebaut sind. Jedes schöngeistige Auge wird durchdiese Mißgestalten beleidigt. Naturgetreue, lebenswahre Felspartien kann nur derjenige schaffen,welcher den Aufbau und das Material in der Natur selbst studiert hat. Ein besonders törichtesund fehlerhaftes Beginnen ist es, Gebirge im kleinen nachzuahmen. Es kann nicht genug vorsolchen Spielereien gewarnt werden, welche stets den Eindruck des Lächerlichen hervorrufen.

Daß der Bodenuntergrund eine besonders sorgfältige Bearbeitung erfordert und auch für dieverschiedenen Pflanzen mehrerlei Erdmischungen hergestellt werden müssen, wurde eingangsschon erwähnt. Es ist ganz selbstverständlich, daß man auch diesen wichtigen Punkten die größteAufmerksamkeit zuwandte, hing doch von deren gewissenhafter und sorgfältiger Ausführung dasgute Gedeihen der alpinen Gewächse ab.

In der ersten Woche des Aprils erfolgte die Bepflanzung des Alpengartens, welche Arbeit vondem Obergärtner des Herrn Arends, Herrn Herold, ein begeisterter Verehrer und Kenner derAlpenflora, ausgeführt wurde. In Rücksicht auf einen ununterbrochenen Flor vom Frühjahr biszum Herbst, anderseits aber auch zur größeren Belebung und Dekoration, fanden nicht nur aus-schließlich alpine Gewächse Verwendung, und auch diese waren zumeist in verbesserten Kultur-formen vertreten, sondern auch allerhand andere Pflanzen, soweit sie sich für die Anlage eigneten.Als solche kamen in Betracht passende Wasser-, Sumpf- und Landpflanzen der Tiefebene, wieallerhand Staudengewächse, kleine zum Teil kriechende Gehölze und niedrige Koniferen, z. B.Tannenarten, blaue Wacholderbüsche, kleine Zypressen und Eibenbäume usw.

Vier Wochen nach der Bepflanzung, also zur Eröffnung der Ausstellung Anfang Mai, zeigte derAlpengarten schon ein buntes und prächtiges Bild. Oberhalb des Teiches am Abhang zog sicheine große Mulde nach dem Felsen herauf. Diese, in reicher Anzahl mit einer rosafarbenen Stein-brechart (Saxifraga Rhei), den prächtigen blauen Viola cornuta Papilio und einer hellblauen ent-zückenden Flammenblume (Phlox divaricata canadensis) besetzt, standen bereits im vollsten Flor.Wenn irgend eine Pflanze das so oft angewendete Beiwörtchensemperflorens" verdient, so istes das noch neuere Stiefmütterchen Viola cornuta, eine ausdauernde Art aus den Pyrenäen und derSchweiz, mit seinen vielen verbesserten Kulturformen, wie die Sorten Papilio, Sylvia usw., welchePflanzen noch viel zu wenig bekannt und gewürdigt werden. Ununterbrochen von der Eröffnungbis zum Schluß der Ausstellung entfalteten diese Gewächse ein wahres Blumenmeer. DasselbeLob verdient übrigens auch ein reizender kleiner, in verschiedenen Farben blühender Mohn (Papavernudicaule), welcher seine Heimat in den eisstarrenden Gebieten der arktischen Zone Europas,Asiens und Amerikas hat. Gelb gefüllte Sumpfdotterblumen, deren einfach blühende Vertreter(Caltha palustris) bei uns in den nassen Wiesen in ungezählten Mengen den Frühlingsreigeneröffnen, spiegelten ihre durch die Kultur veränderten schweren Köpfchen voll Eitelkeit in demklaren Wasser des Teiches, worin Seerosen und andere Wasserpflanzen auf das prächtigste vege-tierten, während die Ufer, auch längs des ganzen Bachrandes entlang, allerhand Sumpfpflanzen wieGräser, Schilfarten, Rohrkolben und andere Feuchtigkeit liebende Gewächse in Beschlag legten.