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BEDEUTUNG DER AUSSTELLUNG
7. Schrebergärten
von R. Hoemann
Wenn man in einer westdeutschen Stadt einmal den Ausdruck „Schrebergärten" gebraucht, soerhält man sofort die fragende Antwort: „Was sind denn Schrebergärten?"
Schrebergärten sind kleine Gärten von 100—400 qm Flächeninhalt in der Nähe der Großstadtgelegen und für geringes Geld an Gartenliebhaber aller Stände verpachtet. Die Gärtchen sollen umeinen geräumigen Spielplatz angeordnet sein und haben den Zweck, ihren Besitzern und derenKindern neben der Freude an der Blumen- und Pflanzenzucht Gelegenheit zu geben, durch die denKörper kräftigende Arbeit im Garten, durch das Geist und Körper schulende Bewegungsspiel aufdem Turnplatz ihre Gesundheit zu pflegen und zu fördern. Das Gärtchen wird den Hausherrn somanchen Tag und manche Stunde seiner Familie erhalten, es hilft somit der Entfremdung derFamilienmitglieder mit ihren unsäglich traurigen Folgen zu begegnen.
Dem Arzt Dr. D. G. M. Schreber, geboren 15. Oktober 1808 in Leipzig, einem der bekanntestenVorkämpfer auf dem Gebiete der Volkserziehung, gebührt das große Verdienst, die Anregung zurEinrichtung dieser Gärtchen und Spielplätze gegeben zu haben. Dr. E. J. Hauschild, dieser uner-müdlich vorwärtsstrebende Pädagoge, brachte den schönen Gedanken zum erstenmal zur Ausfüh-rung und zwar in Leipzig im Jahre 1864. Seit dieser Zeit haben sich in Leipzig, aber auch inmancher anderen deutschen Stadt die Schrebervereine in gedeihlicher Weise fortentwickelt; nur inWestdeutschland und speziell in unseren Industriezentren, wo diese Einrichtungen einem wirklichenBedürfnis abhelfen würden, blieben sie fremd, abgesehen von einem einzelnen Versuche, welchendie Stadt Essen, und zwar gleich mit durchschlagendem Erfolge, unternahm.
Ein großes Verdienst unserer Ausstellung ist es, diese Bestrebungen auch in unseren Provinzenweiteren Kreisen zugänglich zu machen, und so finden wir eine kleine Schrebergärtenkolonie an derWestgrenze der Ausstellung. Der Düsseldorfer Gartenbauverein und der GärtnervereinFlora wetteiferten miteinander, hier etwas Vorbildliches zu leisten. Auch hier lagerten sich dieGärtchen um einen Spielplatz, und wie er benutzt wurde, konnte man jeden Tag auf der Ausstel-lung beobachten. Und diese Gärtchen, wie allerliebst waren sie hergerichtet, welch viele Arbeit,die man sich immer von den Pächtern ausgeführt denken muß, liegt hier verborgen. Wie wird dieLiebe zur Natur und ihren Pflanzenkindern durch die Gartenpflege geweckt und erhalten, eine Liebe,die dem Stadtkind so leicht verloren geht; wie wird die Liebe zur heimatlichen Scholle durch dieseGärtchen gefestigt, wie beruhigt und besänftigt die Bearbeitung des Gartens den nervösen, hastigenStadtbewohner! Der sozial-hygienische und pädagogische Wert dieser Schrebergärtchen ist wirklichein so bedeutender, daß alle diesbezüglichen Bestrebungen der weitestgehenden Unterstützung wertsind. Die Ausstellungsgärtchen zeigten, wie ein solches mit den geringsten Mitteln ganz nach derEigenart des jeweiligen Besitzers einzurichten ist.
So finden wir Blumengärtchen, Obstgärtchen, Gemüsegärtchen, Rosengärtchen, sogar dasGärtchen des Bienenfreundes mit den summenden Honigsammlern auf den eifrigst gepflegtenBienennährpflanzen fehlt nicht; oft werden auch mehrere dieser Typen in einem Garten vereinigtwerden. An einigen Gärtchen fanden wir kleine Gedichtchen, im Sinne der Gartenpächtergeschrieben und dem Publikum mitteilend, welche Idee jedesmal der Anlage zugrunde lag.
So mögen denn auch diese Gärtchen ihren Zweck erfüllen und die westdeutschen Städte aufden Segen der Schrebergärten aufmerksam machen. Wenn nicht alles täuscht, so ist auch dashier auf der Ausstellung in der Schrebergärtenanlage gesäte Samenkorn auf fruchtbaren Bodengefallen; möge es zum Segen unserer Industriestädte sich entwickeln und tausendfältige Frucht bringen.