AUSSTELLUNG IN DEN HALLEN
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Die Düsseldorfer Internationalen Ausstellungen des Sommers 1904 lehrten uns, daß wir demdeutschen Obstbau helfen müssen durch:
1. Weitere Beschränkung der anzubauenden Sorten auf wenigere, dafür regelmäßiger tragende,welche vom Frühsommer bis zum Spätwinter den deutschen Markt mit guten Früchten zuversorgen imstande sind.
2. Vereinfachung des Betriebes, auch durch Benutzung von Pflügen und Hacken zur Bodenbearbeitung.
3. Rechtzeitige und angemessene Düngung und Pflege der Obstbäume.
4. Einrichtung von jährlichen zwei bis dreitägigen Lehrgängen, in welchen anerkannte Fachleutemit maßgebender Erfahrung alle auf den Gebieten des Obstbaues, des Obsthandels und derObstverwertung erzielten tatsächlichen Fortschritte bekannt geben.
5. Anleitung für eine möglichste Verbreitung der einfachsten, billigsten und besten Ernte-Sortierungs-und Verpackungsarten, eventuell in praktischen Unterweisungen, und Anbahnung von Einheits-verpackungen für größere Bezirke.
6. Gründung von Verkaufsgenossenschaften, Einrichtungen von Musterverkaufs-Obstmärkten.
7. Praktische, von den erfahrensten Fachleuten geleitete Obstverwertungslehrgänge.
8. Benutzung der Obstausstellungen und sonst geeigneter Hilfsmittel, um den Handelsobstbauzu fördern.
Die Düsseldorfer Ausstellungen, verbunden mit dem Studium der deutschen Obst-Import- undExportziffern und der jüngsten, ganz unverhältnismäßig hohen Anbauziffer der in Neuanlagen an-gepflanzten Obstbäume und Sträucher lehren uns, daß wir an einem Wendepunkt des deutschenObstbaues angelangt sind. Dies ist glücklicherweise von einer Reihe leitender Verbände undMännern erkannt worden. Sowohl die Landwirtschaftskammern, durch ihre starke und einheitlicheBeteiligung bei der Oktober-Ausstellung in Halle D, als auch der deutsche Pomologenverein durchdie Verlegung seines Kongresses nach Düsseldorf hatten die Wichtigkeit der Düsseldorfer Obstaus-stellungen richtig erfaßt und demgemäß betätigt. Die jährlichen Obstanpflanzungen in Deutschlandübersteigen bei weitem die Abgänge, so daß wir uns in einer rapiden Vermehrung der Baum-bestände und somit der Obstproduktion befinden.
Leider spukt in vielen Schriften und Versammlungen immer noch das Ammenmärchen, Deutsch-land müsse den „Hauptteil" seines Frischobstes aus dem Auslande importieren und käme niemalsin die Lage, denselben selbst zu decken.
Der Überschuß unserer Einfuhr (28,7 Mill. Mark) über die Ausfuhr (4,16 Mill. Mark), also unsereMehreinfuhr betrug im Durchschnitt der Jahre 1901/04 pro Jahr an frischem Obst:
Äpfeln........ 14,81 Millionen Mark
Birnen........ 4,55
Steinobst....... 2,42 „ „
Beeren zum Genuß . . . 2,76 ,, „
Sa. . . . 24,54 Millionen Mark.
An getrocknetem Obst wurde lür 26,33 Mill. Mark in gleichem jährlichen Durchschnitt eingeführt.
Die Stadt Berlin allein verbraucht ungefähr das doppelte unserer ganzen jährlichen Frischobst-einfuhr, die nur ca. 4 bis 5°/o der gesamten deutschen Obstproduktion ausmacht. Dieauch trotz obstreichster Jahre bei uns stattfindende Einfuhr beweist nicht, daß wir dann Obstmangelhaben. Die einzige Folge davon ist nur, daß dann in abgelegeneren Teilen Deutschlands das Obstnoch unverkäuflicher ist, als es sonst vielleicht gewesen wäre, daß es zugrunde geht oder dem Viehverfüttert werden muß. Ein großer Teil der Konsumenten von Importobst ist an gewisse Sorten,gewisse Einheitsverpackungen und Bezugsquellen gewöhnt, die Importeure wollen auf den aus diesenImporten ihnen zufließenden Gewinn naturgemäß nicht verzichten. Auch ist der Import für dieselbenin weniger gangbaren Sorten in tausenden von Verpackungseinheiten (wie z. B. die amerikanischenBarrels) somit einfacher als ein mühsames Zusammenkaufen schlecht sortierten und verpacktendeutschen Obstes, wobei es meist unmöglich ist, z. B. 1000 Fässer einer Sorte aus einer Hand zubeziehen, während sie auf ein Telegramm nach Amerika hin zu erhalten sind. In obstreichen Jahrenwird es daher immer schwerer sein, die dann stattfindende Überproduktion rentierend zu verwerten;deshalb muß man bei solchen Kulturen, die je nach Form und Art wohl in 3 bis 15 Jahren Erträgegeben, doppelt sorgfältig in der Auswahl der Sorten sein und diese nicht nur den klimatischen,Boden- und lokalen Verhältnissen, sondern auch ganz besonders der Verkaufsmöglichkeit, der Nach-frage, der herrschenden Geschmacksrichtung und dem Markte anpassen. Auch ist in den Haus-haltungen mehr Sorgfalt als bisher auf den Verbrauch im Hause und die Herrichtung des Obstesfür den Frühjahrs- und Sommerbedarf zu legen. Für größere Betriebe, Genossenschaften usw. wirddas Verfahren, das im Moment der Ernte nicht gleich zu bewältigende Obst zu Pulpe umzuwandeln,
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