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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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AUSSTELLUNG IN DEN HALLEN

unscheinbaren Anfängen entwickelten, und so bot diese eigenartige Abteilung für jeden Besucherbald eine Fülle des Anregenden und Beachtenswerten.

Am ig. Juli entfaltete die Victoria-Regia des Botanischen Gartens von Leyden die erste Blüte,und ihr folgte nach wenigen Tagen eine solche in dem Hause des Botanischen Gartens in Hamburg.Staunend stand man vor der gewaltigsten und berühmtesten Pflanze der Gewässer, dem eindrucks-vollsten Gebilde der Blumenwelt auf Erden, der königlichen Wasserrose. Die kreisrunden Blätterdieser Wasserkönigin haben i'/, bis 2 m Durchmesser und erhalten durch den 5 bis 10 cm hohenaufrechten Rand die Form riesiger Teller, die von 2 bis 3 m langen Stielen gehalten werden. Aufarmdickem, dornigem Stengel erhebt sich, einer mächtigen gefüllten Rose gleich, die Riesenblumeein wenig über dem Wasserspiegel. Wenn sie nachmittags sich öffnet, sind ihre von reinenfleischigen Kelchblättern umschlossenen Kronenblätter weiß und wohlriechend. Am folgenden Tagenehmen sie eine rosige Färbung an. Das Innere der Wunderblume ist mit staubblattähnlichen,purpurn und gelb gefärbten, bei völliger Entfaltung zurückgeschlagenen Blättchen und mit zahlreichenStaubblättern angefüllt. Am dritten Tage schließt sie sich und sinkt allmählich in das Wasserhinab, um ihre kopfgroßen Früchte zu reifen. Sie gedeiht besonders in den Gegenden des Amazonen-stromes in Südamerika, wo sie zu hunderttausenden die stillen Buchten der Riesenströme bedeckt,Meile an Meile der Wasserflächen zu einem grünen Felde machend, das von den herrlichsten,mehr als menschenkopfgroßen Rosen übersät ist. Aus den Tiefen der Gewässer aufsteigend, umzu der völlig beruhigten Oberfläche zu gelangen, dem Sonnenlichte eine goldene Sonnenscheibe aufsilbernem Rund entgegenhaltend, mag sie als der in den Fluten des Lebens gebadete und gereinigteTraum erster Ideale erscheinen, als Ergänzung der in heiterem Grün prangenden Purpursphäre der Rose.

Zum Gefolge der hehren Königin sind zu rechnen dann an erster Stelle die Nymphäen, Seerosen,auch Wasserlilien, Seelilien, Nixen-, Schwanenblumen und Mummeln genannt. Zu ihnen gehörtauch unsere heimische gelbe Teichrose (Nuphar luteum). Die Mummeln, wer kennt nicht densagen- und poesiereichen Mummelsee im Schwarzwald? sind ein köstlicher Schmuck unsererlauschigstillen, von Schilf und Büschen umstandenen Landseen, die dem verborgenen Teiche einphantastisches Ansehen und den Ausdruck eines schwermütigen deutschen Naturbildes geben. Dieweiße Seerose, die berühmte Lotosblume der Alten (Nymphaea Lotus), hat Geibel besungen als dieBlume, nach der eine geheimnisvolle Sehnsucht jedes Wesen hinzieht, wenn der Mond auf sieniederscheint.

Die stille Wasserrose

Steigt aus dem blauen See,

Die Blätter flimmern und blitzen,

Der Kelch ist weiss wie Schnee! usw.

Der berühmte Naturforscher und Philosoph Fechner erzählt in seinem merkwürdigen Buche:Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen", daß er durch den Anblick einer Wasserlilie, dieihre Blätter glatt über das Wasser ausgebreitet hatte und mit offener Blüte sich im Sonnenlichtsonnte, zu der Überzeugung gekommen sei, daß den Pflanzen Seelenleben innewohne. Der Kunstunserer emsigen Fachmänner ist es gelungen, eine Reihe von Sorten dieser edlen, schönen Blumenzu züchten, und von diesen haben die winterharten wieder die größte Bedeutung. In wundervollerAusbildung waren sie alle auf der Ausstellung vertreten. Erwähnt sei noch besonders die himmel-blaue Seerose (Nymphaea caerulea), die Bewunderung in reichstem Maße verdiente und auch fand.Sie ist ein gerngesehener Gast bei der reisbauenden Bevölkerung Unterägyptens, bei der ein Sprich-wort heißt: Je mehr Lotus, desto mehr Segen!

Ganz untunlich ist es, an dieser Stelle weitere Arten dieser lieblichen Blumen näher zu würdigen;aber hinweisen müssen wir noch auf die mit den Seerosen verwandten Schilfrosen oder Nelumbien,zu denen die Indische Lotosblume (Nelumbium speciosum) gehört, die heilige Padua der Inder.Zwischen schildförmigen, mattglänzenden, teils schwimmenden, teils über das Wasser emporragendenBlättern von 30 cm Durchmesser erheben sich auf langen, saftreichen Stielen die köstlich duftenden,rosenroten Blumen, die unsere weißen Seerosen etwa um die Hälfte an Größe übertreffen. DenIndiern ist diese liebliche Blume als Sinnbild der Erschaffung der Welt aus dem Wasser heiligund daher Attribut des heiligen Ganges. Nach Ägypten verpflanzt, wo sie später wieder ver-schwunden ist, wurde die Pflanze der gleichen Verehrung und künstlerischen Darstellung gewürdigt,wie die ägyptische Lotosblume. Unter den anderen zahlreichen Gattungen und Arten der Wasser-pflanzen seien noch erwähnt Pontederia crassipes, die in prachtvoll blauen, hyazinthenförmigzusammengesetzten Blütenständen blüht und eine große Zahl prächtiger Schwestern hat, ferner dieSagikarien oder Pfeilkrautpflanzen, die ägyptische Papierstaude (Cyperus Papyrus), eine der schmuck-vollsten und für die Bildungsgeschichte wichtigsten Wasserpflanzen, weiterhin eine Reihe vonPflanzen, die zur Besetzung der Aquarien dienen, und viele, viele andere könnten noch genannt werden.