AUSSTELLUNG IN DEN HALLEN
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Auch einige nicht zu den Wasserpflanzen zu zählende, aber in der warmfeuchten Luft derGewächshäuser vorzüglich gedeihende, seltenere Pflanzenarten verdienten alle Aufmerksamkeit, wiedie sogenannte Beißgurke, Cissus discolor, Mimosa pudica, schamhafte Sinnpflanze, auch „Rühr michnicht an" genannt. Das Pflänzchen ähnelt einem kleinen Farnkraut. Nach Einwirkung irgend einesReizes (Berührung, Erschütterung u. a.) legen sich die zarten Blättchen mit ihren Oberseiten an-einander; die Fiederstiele, die vorher seitwärts gerichtet waren, neigen sich zusammen und derHauptstiel senkt sich. Berührt man irgend ein Blättchen, so pflanzt sich die Bewegung auf dieübrigen fort. Wie bei Berührung verhalten sich die Blätter auch bei eintretender Dunkelheit. Dieinnere Veränderung, welche diese auffallende Bewegung herbeiführt, vollzieht sich in den Gelenk-polstern der Blattgliederung, verläuft als Wirkung einer Erschütterung anders als beim Übergangzur Schlafstellung.
Zum Schluß sei noch hingewiesen auf eine Pflanzengattung, die fast als die merkwürdigsteerscheinen mag in dem großen Reiche Floras, die sogenannten fleischfressenden Pflanzen oderInsektenfresser. Erst seit einem halben Jahrhundert ist man genauer mit ihnen bekannt, ja es istsogar gelungen, einzelne Arten derselben mit Rindfleisch zu füttern. Einem zartbesaiteten Gemütemag es vorkommen, als ob durch diese Erscheinungen dem Weihevollen, Poesiereichen, was mansonst im Gewände der Mutter Erde findet, Eintrag geschehe, aber dem tieferblickenden Auge desForschers erschließen sich aus diesen wunderlichen Gebilden Beziehungen und Verknüpfungen, dieman früher wohl ahnen, aber nicht beweisen konnte. Der Botanische Garten in Leyden führteim Mehlhornschen Gewächshaus aus der Klasse dieser Seltsamen die sogenannten Nepenthen oderKannenträger vor. Die Rankenstiele der hauptsächlich im tropischen Asien (Ceylon, Singapore usw.)heimischen Pflanzen tragen aufrechte Krugschläuche, deren Länge zwischen 4 und 50 cm schwankt,während der Durchmesser manchmal nur 1 cm, ein andermal 10 bis 16 cm beträgt. Auf dem Kannen-teile des Stieles bildet die eigentliche Spreite einen grünen Deckel. Bunte, mannigfaltig wechselndeFarben der Kannen und Nektar, der unter dem Deckel und am fransig umsäumten Mundrande derKanne reichlich ausgeschieden wird, locken Insekten zu leckerem Mahle an. Sobald sich aber einleichtfertiges Geschöpfchen, uneingedenk des Dichterwortes: „Da unten aber ist's fürchterlich", aufdem oberen Kannenrande zu löblichem Tun niederlassen will, gleitet es an dem spiegelglatt poliertenInnenrande hinab, wo es dann in flüssigem Gift, das, aus einem Drüsengewande ausgeschieden, dieHälfte der Kanne füllt, seinen frühen, jähen Tod findet, um, nachdem es genügend vorbereitet undverarbeitet ist, von der Pflanze verspeist zu werden. So könnte ja die Pflanze wirklich als eintückisches, rohes und grausames Wesen erscheinen, und wir müßten wohl oder übel annehmen,daß sie ein solches sei, wenn wir mit Fechner glauben wollten, daß ihr „Seelenleben" innewohne.Dem ist aber nicht so, wie klar dargelegt ist in dem Werke: „Kritische Analyse von FechnersWerk „Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen" von Dr. F. R. Schrammen, und so bewundernwir gerade an diesen durch ihre Blattformen und die damit zusammenhängende Lebensweise sobemerkenswerten und anziehenden Gebilde wieder die unendliche Schönheit und Zweckmäßigkeitder großen Allmutter, und begeistert rufen wir aus:
„O hohe, herrliche Natur,
Lass stets mich wandern auf deiner Spur!"
5. Die grosse Kakteenausstellung
von L. Graebener
Die erste Anregung, auf der Internationalen Kunst- und Großen Gartenbauausstellung in Düsseldorfauch eine Kakteen-Sonderausstellung zu veranstalten, ging von Direktor Frauberger, dem Vorstands-mitglied und Mitglied der Ausstellungsleitung aus, welcher schon bei Gelegenheit des Kongressesder deutschen Kakteenfreunde in Karlsruhe im Juni 1903 sich mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft,Professor Dr. Schumann, Kustos am botanischen Garten in Berlin, in Verbindung gesetzt hatteund der Versammlung die Einladung der Ausstellungsleitung übermittelte, die Jahresversammlungim Jahre 1904 in Düsseldorf abzuhalten und gleichzeitig damit eine Kakteenausstellung zu veranstalten.Seinen beredten Worten gelang es, die Zusage hierzu von der Versammlung zu erhalten und gleicheine Anzahl von Kakteenzüchtern zur Beteiligung an einer Ausstellung zu gewinnen.
Professor Dr. Schumann übernahm die Leitung und Organisation für diese Ausstellung, konnteaber infolge eines schweren, unheilbaren Leidens, das im März 1904 seinen Tod herbeiführte, dieseArbeit nicht zu Ende führen. Da Direktor Frauberger mich als eifrigen Kakteenfreund kannte und