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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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DIORAMA

In Wirklichkeit sind erstere auch schon keine eigentlichenPflanzen, sondern Tiere, auf der ersten Entwicklungsstufe zumLeben begriffen, und die Tiere sind keine eigentlichen Tiere,sondern Pflanzen in der Degeneration.

Die wunderbarsten und interessantesten Formen zeigensich vor unseren erstaunten Blicken auf dem tiefen Meeres-boden, in fast regungsloser Stille verharrend; nur dann undwann geht ein Zittern durch die immensen Tiefen, welchesindes auch noch der Aufklärung harrt, da es noch zweifelhaftist, ob es elektrischen oder vulkanischen Ursprungs.

Um indes nicht zu weitschweifig zu werden, wollen wirzu den Bewohnern der Tiefe selbst übergehen, wie sie sichzurzeit darbieten.

Die Gruppe der mehr oder minder durchsichtigen Fische.Sie gehören zur Gattung der Diaphanien.

1. Der gemeine Schellack. Piscis gelatinus (sehr selten).

2. Der grosse Röntgen (Pisquale Faccenda).

3. Piscis Fuselarius (gemeine Sorte).

4. Piscis incognitus (Name noch unbekannt).Fleischfressende Pflanzen und Bürstentiere.Das Blumentierchen (Flosculcoria orneta).Bürstentiere in verschiedenen Gruppen und Familien

Die farbigen, in rot und blau, sind die männlichenExemplare.

Das Riesenbürstentier (genius loci giganticus).

Der sogenannte Sanfte Heinrich oder Vertreiber (pinx mollis).

Der Seeigel. Echinoidea.

Es gibt davon 1650 Sorten, welche in solche von I. bisIV. Klasse eingeteilt werden. Die Seeigel in engerem Sinnelassen sich noch bedeutend erweitern. Am lebenden, in seinemElemente befindlichen Seeigel bemerkt man sehr bald, dasser sich darin sehr wohl fühlt. So auch hier.

Vor uns auf dem Grunde dieFrühseemorchel". Im Hinter-grunde, den weichen Sand liebend, eine violette Edelflunder.

Gehen wir weiter, so befinden wir uns trockenen Fussesauf dem Boden des

AEGAEISCHEN MEERESmit seinen Dependancen. Welche Farbenpracht strahlt unsentgegen!

Hier unten in der blauen Tiefe so erzählt uns Häckelist eigentlich alles mit bunten Blumen überhäuft, und allediese zierlichen Blumen sind lebendige Korallentiere. DieOberfläche der grösseren Korallenbänke, von 6 bis 8 FussDurchmesser, ist mit tausenden von lieblichen Blumensternenbedeckt. Auf den verzweigten Bäumen und Sträuchern sitztBlüte an Blüte; die grossen bunten Blumenkelche zu ihrenFüssen sind ebenfalls Korallen. Ja sogar das bunte Moos,das die Zwischenräume ausfüllt, zeigt sich bei genauer Be-trachtung aus Millionen winziger Korallentierchen gebildet.Und alle diese Blütenpracht überzieht die leuchtende arabischeSonne in dem kristallhellen Wasser mit einem unsagbarenGlänze!

SEESTERNE.

Gleich den Seeigeln sind die Sterne (Asteriae) in ihrer natür-lichen Stellung mit dem Munde nach unten gerichtet, zeigenaber eine sehr verschiedenartige Ausbildung der Rückenseite.

Folgende Sorten sind hier vertreten:

Scheibenstern (Asterisnes verruculatus).

Asteracanthion roseum.

Astera P. P. Rubens.

Astera aurantiaca; sie legt nach genauer Bemessung inder Minute 3 Wiener Zoll zurück.

Stella ricinocera, läuft noch schneller und entwickelt even-tuell eine unheimliche Geschwindigkeit.

Schlangenstern. Ophicora. Medusenstern. Alecto. Crinoida.Von ihnen gibt es aus der Vorwelt 680 Arten langstieligerHaarsterne.

Das Seepferdchen (lat. ross-marin).

SCHWÄMME (EUSPONGIA).

1. Der gemeine Hausschwamm (Euspongia domestica).

2. Der sogenannte Gesichtsschwamm (visagia).

3. Der kleine Tafelschwamm (tabularia) und diverse andere.

Verlassen wir das Aegaeische Meer und wenden uns nachWesten in die

GEWÄSSER DER GROSSEN ITALISCHEN INSELNSICILIEN, SARDINIEN UND CORSICA.

Zuerst fällt uns hier die vulkanische Bodengestaltung auf,welche in der Nähe der Inseln durch permanente Eruptionenhervorgerufen wird. Man sieht, wie die hervorbrechendeLava unter der Einwirkung des Meerwassers und seinesstellenweise immensen Druckes teils in feste Formen, Briketts,gepresst wird, teils sich in Blasen und Leuchtgas verflüchtigt.Hierdurch werden die Salze des Wassers frei und sofortamortisiert, worauf sie in klaren Kristallen auf den Bodenniederschlagen, um sich wieder zu verflüchtigen. Der Salz-gehalt des Meeres verwandelt hier allmählich die Eier derMedusen in Soleier, welche von den italienischen Fischernsehr gesucht werden.

Als wunderbare Gebilde fallen uns hier die Quallen auf,deren unsere Abteilung sehr schöne Exemplare bietet.

1. Die rote Schirmqualle (medusa superba ombrella).

2. Perückenqualle (medusa Periclei).

3. Fingerqualle (medusa dactylodermis).

4. Medusa fusca.

Obige Quallen quallefizieren sich als Glockenquallen.

Wer zu dem Glauben neigt, dass die Natur, diese un-definierbare Macht, zur Veränderung auch mitunter Schnörke-leien hervorbringen müsse, wird gewiss zu den Röhren-(Siphonophora-)quallen greifen, dem bizarrsten belebtenSpielwerk, was die Phantasie zu erdenken vermag.

ANWESENDE FISCHE.

Schützenfisch (Toxotes), Maifisch (Alausa vulgaris), Äsche(Thymollus vulgaris).

KERB- UND PANZERTIERE.

Portemonarius vacuus, Portemonarius harmonicus, Moluk-kenkrebs (Poecilopoda), Riemenfüssler (Branchiopoda), Wasser-floh (Pulex aquarius), Trilobiten (Paradoxides).

GOLF VON UTOPIA.

Hier sehen wir den Mungo varus imponibilis. Das seltensteStück unserer Ausstellung, fast gänzlich unbekannt und eineunbeschreibliche Seltenheit.

Die Purpurschnecke (Corus purpureus apricosus).

Jetzt kommen wir zum

JAPANISCHEN MEER UND KOREA,

welches unter den heutigen Umständen wohl sicher das meisteInteresse erwecken wird.

Wir beobachten die grosse Seespinne (Argyroneta aquaticarabitzka), wie sie in ihrem mächtigen Netze ihren Raub ver-zehrt. Es sind schon kräftige Fische nötig, um das Netz,welches sie zwischen Felsen und Pflanzen aufgespannt hat,zu zerreissen.

SEEANEMONEN.

Anemona marituna blanca.Seenelken (Actinoloba dianthus).Grüne Seerose (Anthea cereus).Die Witwe (Sagartia viduata).Rote Seerose (Actinia mesembryanthenum).Der Futteral (alvis internus).Gehen wir weiter:

Vor unseren Augen breitet sich jetzt das alte Kulturlandder Ägypter, das Tal des

HEILIGEN NIL,

aus. Von ihm sagte schon Horaz:Nil admirare!" Bewundereden Nil!

Vor den Königsgräbern der Pharaonen sehen wir das Nesteines Krokodils. Krokodilus acutus, das akute Nilkrokodil,welches gerade Mutterfreuden geniesst und deshalb die be-kannte Träne vor Rührung zerdrückt.