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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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KUNSTHISTORISCHE AUSSTELLUNG

eine Mode ist, mag mancherlei Ungesundes darinliegen und auch mancherlei Unlogisches. Mansollte meinen, daß wir jetzt in einer Periodedes Primitivismus drinständen, oder einer solchenentgegengingen. Vielleicht haben ein paar unterden persönlichsten Meistern von heute in ihremäußerlichen Gewand etwas, was sie den Altenähnlich erscheinen läßt und haben innerlichvieles mit den größten unter ihnen gemeinund eine kleine Gruppe unter den jüngerennähert sich jenen auf anderen Wegen; aber dieallgemeine Signatur der heutigen Malerei zeigtdoch alles andere als den Geist des 15. Jahr-hunderts.

Was nennen wir eigentlichprimitiv"? Nurdie Anfänge der Kunst oder eigentlich die ganzeältere nationale Kunst bis zur Mitte des 16.Jahrhunderts, wie die Franzosen in diesemSommer? Der Name gebührt doch im Grundenur den Künstlern bis in die ersten Jahrzehntedes 15. Jahrhunderts hinein. Die Kunst Janvan Eycks hat wenig genug jugendliches mehr:sie erscheint eher reif, geschlossen, fertig. Unddie nordischen Meister des 15. Jahrhunderts?Maler der Wahrheit hat sie einmal Lafenestrezu nennen vorgeschlagen, im Gegensatz zu denMalern der Schönheit. Aber trifft auch das denKern ihrer Kunst? Der Naturalismus des 15.Jahrhunderts ist in vielem nicht stärker wennman das Wollen hier messen will, nur ent-wickelter als der des vorhergehenden Jahrhun-derts, und auch im Wollen kaum stärker, wenig-stens auf dem Gebiete der Plastik, als im 13.Jahrhundert vor der Rezeption der Gothik, dieüberall auf der Peripherie so zerstörend undnivellierend wirkte. Dieser ganze Naturalismusist nur ein neuer Ausdruck für ein immer schonvorhandenes Streben und in gewissem Sinneeine Rückkehr. Macchiavelli hat einmal dasBild gebraucht, daß alle Arten von Körper-schaften, geistige und politische, von Zeit zuZeit, um sich gesund zu halten, zu ihren An-fängen zurückkehren al segno mit einemdem Wettlauf entlehnten Gleichnis. Ebensokehrt jetzt auch die Malerei zu der Quelle ihrer Kraft und dem Ausgangspunkt der gesamtennationalen Stile im Norden zurück, um wieder in dem Buche der Natur zu lesen, das schonRaymund von Sabunde als die erste, allgemeinste und aller Lehre vorangehende Offenbarungbezeichnet hatte.

Aber auch der Naturalismus des 15. Jahrhunderts schreitet nur sehr langsam vorwärts. Es istschon ein stattliches Erbteil, über das die Künstler verfügen; wo es neues zu erobern gilt, wirddreist und frech zugegriffen und ganz naiv und ohne Scheu ein neues Stück Natur aufgenommen,aber alles wird sofort wieder Allmende, Gemeingut. Wo es einen solchen Eroberungszug gilt, daherrscht ein heiliger Respekt vor der Natur und ein mühevolles Sichabquälen und Sichplagen, bisdas neue Stück Außenwelt aufgefaßt und säuberlich nachgebildet ist. Aber die Hauptsache ist ebendoch das gleichmäßig durchgehende, ständig wachsende, aber in der ganzen Schule wachsendeKönnen. Selbst die minderen Maler, die nur gerade selbstgerechte Handwerksmeister waren, verfügenüber den ganzen Besitz. Sie sind nicht nur im Besitz all dessen, was die großen Tafelmaler ge-schaffen, sie sind vor allem Erben einer jahrhundertelangen Überlieferung, die ihnen lehrte, einegegebene Fläche anständig zu gliedern und die Figuren und Gruppen in ihr zu verteilen. Und

Meister des hl. BartholomäusSt. Andreas und St. Columba

Mainz,Städtische Galerie