INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG
191
Henry Boncquet
Die Familie
aus dem Blocke herausgeholte Gruppe „Die Familie" vonHenri Boncquet, die charakteristischen Porträts von JulesLagae und die heroischen Monumentalgruppen von JefLambeaux genannt sein mögen.
Eine durchaus vornehme und geschlossene Veranstaltunghatte England zuwege gebracht. Sie war arrangiert von derInternational society ofsculptors,painters and gravers,deren Präsident seit Whistlers Tode Auguste Rodin ist. Derdurchweg geschmackvolle Ton der Bilder, deren weichesKolorit auf dem gewählten weißen Hintergrunde bis in alleEinzelheiten zur Geltung kam, gab dem Saale ein gewissesaristokratisches Aussehen. Von bezwingendem Zauber warendie vornehmen Porträtdarstellungen, die den modernen Nerven-menschen geradezu typisch wiedergaben; Sargents Bildnisder Mrs. Russell war trotz der breiten Technik das subtilste,was man von Tonmalerei erwarten konnte. Nicht minderWhistlers Violinistin, deren breite Flächen beim richtigenStandpunkte vibrierendes Leben gewannen. Auch GeorgeSauters Bilder waren farbensymphonische Kompositionen vonbestrickendem Wohllaute, wie auch William NicholsonsSchöpfungen bei aller Einfachheit der Mittel eine köstlicheCharme ausstrahlten. John Lavery war von einer größerenKollektion bei Schulte her noch in so guter Erinnerung, daßsie durch seine posierende Erstkommunikantin nicht getrübtwerden konnte. Shannon brachte ein sehr lebendiges, famosgemaltes Porträt des Malers Gari Melchers und Kerr-Lawson
ein sehr charakteristisches Herrenbildnis. Neven du Mont bemühte sich, mehr Farbe in die graue
Nebelstimmung Londons zu bringen und zwar mit Geschmack und gutem Erfolg. Rothensteins
„Amateur" war ein fein beobachtetes Genre-stückchen mit allerhand versteckten Reizen,
und nicht übel war, trotz der unreinen
Fleischtöne, Jamiesons „Zwerg". Jack
brachte ein vornehmes Damenporträt, das
etwas von van Dyckschem Geiste verriet.
Auf fast durchweg achtunggebietender Höhe
standen die Landschaften und Marinebilder,
in denen die Eigenart der klimatischen Ver-hältnisse Englands zum Ausdruck kam. Dods-
Withers und Alfred Withers, Haynes,
Brown, Blatherwick, Fishers, Parsons,
Peppercorn und Farqhuarson waren gut
vertreten, ebenso Thomas, Priestman,
Stevenson, Walton, Deckert, Gocdall
und Brangwyn.
Ganz außerordentliche Genüsse boten die
beiden Schwarz-Weiß-Kabinette, in denen
außer Beardsleys Illustrationen zu Wildes
Salome und Whistlers Themsezyklus Ra-dierungen, Zeichnungen und Lithographien
von hervorragendster Bedeutung zur Schau
gestellt waren. Viel Anklang fanden auch
die duftigen, auf Seide gemalten Aquarelle
ä la Watteau von Charles Conder, und
ebensosehr verdiente der in gleicher Technik
auf Leinwand ausgeführte silbergesprenkelte
Hahn von Jos. Crawhall Beachtung.
Quantitativ und qualitativ waren auch die
englischen Bildhauer im ganzen gut vertreten.
Es seien nur die Namen Fagan, Frampton,
George Sauter
Morgenunterhaltung
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