INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG
189
Kunst, der gerade in Paris eine vorbildliche Bedeutung ge-wonnen hat, die Medaillen- und Plakettenkunst. Die Übersichtüber das französische Kunstschaffen wäre eine lückenhaftegewesen, wenn diese nicht ergänzend der Veranstaltung hin-zugetreten wäre, und das ist der großen Dankesschuld, dieHenry Kautsch uns abgezwungen hat, noch besonders gut-zuschreiben, daß er seine näheren Pariser Kollegen zu derHergabe ihrer köstlichen Erzeugnisse veranlaßt hat. Kautschselbst, der übrigens auch mit einer vornehm aufgefaßtenPorträtbüste des Admirals von Jonquieres glänzte, ging ihnenmit einer geschmackvoll ausgewählten Kollektion voran.Einige seiner ausgestellten Arbeiten, wie die Heine- und dieLenbach-Plaketten, sind in Deutschland bereits populär ge-worden und erfreuen sich eines lebhaften Absatzes im Kunst-handel. Nicht minder die Arbeiten Charpentiers, derlängst zu den Freunden unserer Kunstliebhaber zählt. Außerdiesen beiden zeigten in schönen Zusammenstellungen nochCarabin, Dupre, Peter, Riegel d'Jllzach, Rozet undYencesse eine verständnisvolle Auffassung ihrer subtilen Kunst.Das offizielle Spanien nahm den grünen Saal ein, denvor zwei Jahren die Münchener Sezession mit gutem Geschmackhergerichtet hatte. Das Gesamtbild seiner Darbietung war
Jules Lagae,Porträtbüste des Dichters A. Goffin
nicht besonders erfreulich, obschon es anguten, in einigen Fällen sogar vorzüglichenLeistungen in der Art Zuloagas nicht fehlte.Vor allem waren es Arizmendi und Bilbaoaus Sevilla, die mit kecken Bildern brillierten.Auch Otermins frisch gemalter „Mann inder Waschbütte" fand wegen des originellenVorwurfs Beachtung und Anerkennung, wäh-rend Graner-Arrufi mit seinem „Mann inder wollenen Decke" besser gefiel, als mitdem großen sozialen Stücke „Heimkehr vonder Arbeit". Casas schlug in seinen Bil-dern einige gute Töne an, ebenso Guineain den ausgezeichnet wiedergegebenen Typenseiner „Osteria"; doch ebenso lebendig wiediese Szene waren seine „Netzflickerinnen"theatralisch. Pradilla gab die hierorts be-reits bekannte, glänzend aufgebaute Figuren-gruppe „Maiserntefest in den pontinischenSümpfen", während Benlliure y Gil inseinen Bildern alle die farbigen Pikanterien,aber auch die Grenzen seiner Kunst zeigte.Alcala-Galianos „Heutransport in Holland"zeigte, wie sich ein Spanier die eigenartigeStimmung der Nordseeküste zu eigen, odervielmehr nicht zu eigen zu machen versteht.Salas Meiereiküche war eines der bestenBilder des spanischen Saales, ebenso erzähl-ten seine sonnendurchglühten Landschaften,wie auch die von Hernandez von eigenGeschautem. Moreno-Carboneros Porträtdes Bildhauers Benlliure war recht gut ge-malt, wie auch der Sessel auf dem großen
Henry Kautsch
Porträtbüste des Admirals Jonquieres