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INTERNATIONALE KUNSTAUSSTELLUNG
Hermann Emil Pohle
Abend
kreuzbeladene Erdenkinder jeden Standes schleppten ihr Kreuzeine Anhöhe hinan zu Christus, der ihnen mit sanften, liebe-vollen Worten die Last erleichterte. Die Übertragung desGedankens in die Realität der faßbaren Erscheinung warebenso glücklich erreicht, wie die ergreifende Gegenüberstel-lung menschlichen Leides und göttlicher, alles verzeihendenLiebe klar zum Ausdruck gebracht worden war. Wie beiallen Bildern Janssens war die Durchführung, die sich bisins kleinste Detail erstreckt, dabei aber nie kleinlich wird,sondern breit und sicher bleibt, eine von gereiftester Meister-schaft zeugende bewundernswerte Leistung.
Claus Meyer hatte den Vorgang seines Bildes „Fürchteteuch nicht" in ein holländisches Fischermilieu verlegt. DieJünger sitzen am Tische, den Blick in höchster Spannung aufdie Tür gerichtet, durch die der totgeglaubte Christus in dasZimmer tritt. Eine glühende Farbenfreudigkeit und packendeCharakteristik war dem Werke, mit dem der Künstler zumersten Male das Gebiet der religiösen Malerei betreten hat,eigen. Ganz der alte Claus Meyer, den man lieb gewinnenmuß, wenn man ihn einmal gesehen hat, war er in einerköstlichen Genreszene, in der Landsknechte nach beendetemSpiele dargestellt waren.
Den vorgenannten Künstlern schloß sich AdolfMaennchenmit einem köstlichen Kinderbild an. Zur Feier von „Häns-chen's Geburtstag", wie der Titel des Bildes lautet, ist amWaldessaume soeben eine große Schokoladeschlacht ge-schlagen worden. Ein Teil der Kinder hat schon abgegessen und den weißgedeckten Tisch mitdem grünen Rasen vertauscht, wo der Maler nun allerhand kindliche Vorgänge und Spiele bis insIntimste hinein belauscht hat. Lebendig und wahr in der Beobachtung, vornehm im Tone, ließuns das Bild einen Blick in die goldige Seele des gemütvollen Künstlers werfen. Auf einemgrößeren Bilde „Der Tag der Almosen", das inzwischen seinen Weg ins Danziger Museum gefundenhat, war die Örtlichkeit, der Einfall des Lichtes und sein Widerschein auf Wände und Boden desKreuzganges glänzend durchgeführt. Auch die Figuren waren charakteristisch aufgefaßt und ganzvorzüglich gemalt.
Theodor Funck, eine der sympathischsten Erscheinungen auf den Düsseldorfer Ausstellungen,hatte ein großes, ergreifendes Bild, „AmTotenbett", wieder auf denselben Grundtongestimmt, mit dem er 1902 „Bei der WitwePrins" die schönsten Erfolge erzielt hatte.Es dokumentierte wieder den feinen kolo-ristischen Sinn und die Empfindungstiefe desaußerordentlich strebsamen Künstlers. Nachden höchsten Zielen ringt auch LudwigKeller, der alle Seiten seines starkenTalentes auf die Probe stellt. Er arbeitetediesmal mit den allerkräftigsten farbigenMitteln und versuchte im „Sommer" mitsensiblen Fleischtönen gegen die starkenValeurs eines Früchtekranzes aufzukommen.Von Keller werden wir noch manche Über-raschung zu erwarten haben. Er ist einerder geschmackvollsten Farbenkünstler undnebenbei einer der bedeutendsten Porträt-maler Düsseldorfs, von dessen ungemeinerBegabung das Porträt „Mutter und Kind"eine kleine Probe gab.
Auch Gustav Wendung legt sichscharf ins Zeug. Er arbeitet aber vornehm-lich mit Effekten, die er der Bildwirkung Theodor Funck Am Totenbett