Druckschrift 
Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

go

EINZELNE ARBEITSGEBIETE

Die Firma Garrett Smith & Co. in Magdeburg-Buckau war durch eine Compound-Lokomobilemit Kondensation vertreten. Sie leistete bei einem Hochdruckzylinder-Durchmesser von 290 mm,einem Niederdruckzylinder-Durchmesser von 480 mm, einem Hub von 450 mm bei 150 Touren in derMinute und 12 Atm. Anfangsdruck 150 eff. P. S. bei 20 °/o Füllung im Hochdruckzylinder. Der letzterewar mit Rieder-Kolben-Expansions-Steuerung, der Niederdruckzylinder mit Trickschen Kanalschieberausgestattet, um die schädlichen Räume möglichst zu verkleinern. Der Regulatorenantrieb erfolgtedurch Schraubenräder, welche in Ölkammern liefen. Die Bauart der Maschine war extra schwer undstabil, so daß sie auch mit hoher Überbelastung dauernd ohne Störungen arbeiten konnte. Die großeKraftleistung der Lokomobile wurde durch ein hohes Vakuum erzielt. Die Einschaltung eines Gegen-stromvorwärmers als Vorkondensator ermöglichte Speisung mit bis zu 100 ° C. vorgewärmtem Wasser.Die Lokomobile betrieb durch Riemenübertragung zwei Gleichstrom-Nebenschluß-Dynamos, welchebei 790 Touren in der Minute und 220 Volt Spannung je 46 KW. leisteten. Die Dynamos warenebenfalls von der Baugesellschaft für elektrische Anlagen, Düsseldorf, geliefert, gleichermaßen dieRiemen von der Viersener Firma Johann Biertz.

Die Dampfmaschine der Maschinenfabrik O. Recke, Rheydt, sowie die Dampfturbine der All-gemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin wurden durch den vorhin schon erwähnten, von derDüsseldorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik gestellten Wasserrohrkessel, System Dürr, mit Dampf ver-sorgt. Der Kessel besaß eine wasserberührte Heizfläche von 150 qm sowie einen Überhitzer von30 qm und war für einen Überdruck von 12 Atm. gebaut. Die Überhitzung betrug 250 °.

Zur Abführung der Rauchgase von diesem Dampfkessel sowie von den beiden Lokomobilkesselndiente ein Schornstein in der Höhe von 35 m bei 1,5 m oberer lichter Weite, welcher von der FirmaAlphons Custodis A.-G. in Düsseldorf gegen eine Vergütung errichtet war.

Um das für den Dampfkessel erforderliche Speisewasser von Kesselsteinbildnern und sonstigenUnreinlichkeiten zu säubern, war ein Wasserreinigungsapparat (System Breda) von der Düssel-dorf-Ratinger Röhrenkesselfabrik vorm. Dürr & Co. in Ratingen aufgestellt.

Als Speisevorrichtung für den Dampfkessel waren zur Sicherheit des Betriebes zwei Speise-pumpen vorgesehen, von denen eine stets in Reserve stand. Die von der Firma Bettin ger undBalcke zur Verfügung gestellte Speisepumpe leistete bei 180 Touren 6,2 cbm Wasser in der Stundegegen 12 Atm. Kesseldruck. Der Durchmesser der drei Plunger betrug 60 mm, der Hub 70 mm, derDurchmesser des Pumpenzylinders 120 mm und der Hub 110 mm bei einem Kraftbedarf von 4,5 P. S.Die Armaturenfabrik Klein, Schanzlin & Becker in Frankenthal hatte eine freistehende, doppel-wirkende Una-Dampf-Speisepumpe gestellt. Diese leistete bei 115 Touren 9 cbm Wasser in der Stundegegen 12 Atm. Kesseldruck. Der Kolbendurchmesser betrug 135 mm, der Hub 135 mm, der Durch-messer des Pumpenzylinders 85 mm.

Da sämtliche Maschinen ihre eigenen Kondensationsvorrichtungen besaßen, war eine Zentral-kondensation nicht erforderlich. Zur Ersparnis von frischem Kühlwasser wurde ein Oberflurkamin-kühler (System Eugen Blasberg) aufgestellt, welcher 150 bis 170 cbm die Stunde leistete. Dergenannte Kaminkühler bestand aus einem rechteckigen hölzernen Turm von ca. 17 m Höhe und10 mal 5 m Grundfläche.

Zwischen der Unterkante des Kühlers und der Wassereinlaufhöhe war eine Kühlvorrichtung ein-gebaut, die in der Hauptsache aus Wasserverteilungströgen, den Rieselrinnen und Profillatten be-standen. Das zu kühlende Wasser fiel von 5 m Höhe herab und wurde in feinem Regen auf dievielen Latten verteilt. Diese hatten auf der unteren Seite einen Einschnitt, wodurch ein zweiteiligerTropfeneinfall bewirkt und eine hohe Abkühlung erzielt wurde. Die unteren Latten waren jederzeitauswechselbar, eine Eigenschaft, die von der Firma als besonderer Vorteil angegeben wurde. Dadie Latten untereinander angeordnet waren, konnte sowohl die Luft als auch der Dunst ungehinderthindurchstreichen und kam mit dem Wasser in innigste Berührung.

Die einzelnen Kondensationsanlagen saugten ihr Wasser direkt aus dem Bassin des Kühlturmsund gössen es nach Verbrauch in einen besonderen Brunnen, von dem aus das Wasser vermittelstPumpen wieder auf den Kühlturm zur Abkühlung gedrückt wurde. Man zog es vor, wegen derhohen Tourenzahl das Wasser nicht direkt durch die Pumpen bezw. Kondensatoren der einzelnenMaschinen auf den Kühlturm drücken zu lassen, sondern durch besondere Pumpen, um Stöße inden Maschinen zu vermeiden. Für diese Zwecke hatte die Firma Klein, Schanzlin & Beckerin Frankenthal eine elektrisch betriebene Zentrifugalpumpe mit einer stündlichen Leistung von100 cbm sowie 8,8 P. S. Kraftbedarf und eine Zentrifugalpumpe von 50 cbm stündlicher Leistungvon 3V2 P.S. Kraftbedarf gestellt.

Durch die Firma Bettinger & Balcke in Frankenthal war vertreten eine elektrisch betriebeneDrillingspumpe mit 150 cbm stündlicher Leistung bei 120 Touren in der Minute gegen 1,3 Atm. Druck.