Druckschrift 
Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

VERTEILUNG DER ARBEITEN

Mit einer Kolonne von 150 bis 200 Gärtnern und Gartenarbeitern wurden die Erdarbeiten aufdem Gelände so gefördert, daß die ersten Flächen schon Ende Juli besät werden konnten. Es warallseitig als wünschenswert bezeichnet worden, daß die Anlageflächen noch vor dem Winter miteiner Rasennarbe versehen würden.

Um den Ausstellern Gelegenheit zur Vorkultur ihrer Pflanzen, namentlich der Frühjahrs- undSommerblumen, hier an Ort und Stelle zu geben, wurde im September 1903 ein Vorkulturgartenvon 5000 qm von der Ausstellungsleitung gemietet, hergerichtet und den Ausstellern kostenloszur Verfügung gestellt. Dieser Vorkulturgarten ist von den Ausstellern viel benutzt worden. DerGarten war stets mit Pflanzen, insbesondere von den Firmen Fr. Roemer und H. Mette inQuedlinburg, besetzt.

Da das Gelände nicht ausreichte und namentlich die Aussteller von Baumschulartikeln, Schreber-gärten und die Deutsche Dahlien-Gesellschaft bei der Verteilung der Plätze nicht berücksichtigtwerden konnten, mußte im Oktober 1903 noch eine Vergrößerung des Ausstellungsgeländes von100 000 qm nordwestlich vorgenommen werden.

Um diese Zeit wurde auch mit der Herstellung des Blumenschmuckplatzes vor dem Kunstpalastbegonnen.

Zunächst mußte die Allee vor dem Kunstpalast in dessen ganzer Frontlänge entfernt werden.Die dort ausfallenden Bäume wurden zur Bepflanzung des Haupt-Restaurationsgartens und zur Aus-besserung der Alleen verwendet. Das Parterre wurde dann nach der Mitte um 35 cm vertieft an-gelegt, und einige 1000 cbm Schutt mußten entfernt werden, um dafür Mutterboden aufzubringen.Diese Arbeiten waren aber bis anfangs Dezember so weit gediehen, daß um diese Zeit das Parterreder Firma Goos & Koenemann in Niederwalluf, welche die Fläche zum Teil zur Bepflanzungübernommen hatte, übergeben werden konnte.

Von dieser Firma wurden im Dezember Beete mit Iris, Primeln und Trollius bepflanzt. DieFirma Krelage & Sohn, Haarlem, hatte die Bepflanzung der Einfassungsbeete übernommen und aufdiesen 10 000 Stück Darwin-Tulpen in prachtvollen Sorten angepflanzt. Außerdem hatte die FirmaH. van Toi & Söhne, Boskoop, an Stelle der schlecht überwinterten Silenen und Vergißmeinnicht4000 Azalea mollis sinensis zur Verfügung gestellt, welche auf der nach dem Kunstpalast zu gelegenenBöschung des Blumenparterres angepflanzt worden waren.

Die Bodenverhältnisse auf dem Ausstellungsgelände waren nicht besonders günstig, namentlichwar der Boden arm an Düngstoffen. Es mußten daher Vorkehrungen getroffen werden, daß denAusstellern im Freien zur Anpflanzung ihrer Gruppen passender Dünger zur Verfügung gestellt werdenkonnte. Von der Ausstellungsleitung wurden 3000 Zentner Torf beschafft, welcher mit Dünger, Kalkund Latrine vermischt einen vorzüglichen Dünger bildete und den Ausstellern kostenlos abgegebenwurde. Außer obigem Dünger waren noch 200 cbm guter Kuhdünger beschafft worden.

Im Laufe des Winters wurden die umfangreichen Wegearbeiten vorgenommen, wozu mehreretausend Zentner Schlacke außer dem auf dem Gelände vorhandenen Material angefahren wurden.

Nach den schlimmen Erfahrungen des Ausstellungsjahres 1902 wurde für die Entwässerung derWege durch hinreichende Anschlüsse an den Kanal bestens gesorgt.

Es wurden auch von einzelnen Ausstellern sowie von Vereinigungen Flächen zum Ausstellenabgeschlossener Gärten gewünscht, so die Gärten von Bartels-Behrens, Düsseldorfer Gärtner-Vereinigung, Japanischer Garten, der Gartenanlage des Gartenarchitekten Reinhardt.

Den Ausstellern dieser Gärten wurden die Flächen auf Kosten der Ausstellung mit Mutterbodenversehen und die Wege angelegt.

Ende März 1904 wurden die Aussteller von Koniferen, Laubhölzer, Obstgärten usw. gebeten, mitdem Aufstellen ihrer Gruppen anzufangen, um rechtzeitig fertig zu sein.

Außer den ausgestellten Gewächshäusern hatte die Ausstellungsleitung eine Anzahl Vorkultur-häuser bauen lassen, welche den Ausstellern zur Vorkultur ihrer Pflanzen zur Verfügung standen.

Der Frühjahrsblumenflor auf der Gartenbau-Ausstellung war ganz bedeutend in bezug auf großeMassen und reichliche Abwechslung.

Auf dem Blumenschmuckplatz vor dem Kunstpalast hatte die Firma Goos & Koenemann,Niederwalluf, 3000 Iris germanica in feinsten Varietäten, 2000 Trollius, 3000 großblumige Primelngepflanzt. Von der Firma J. C. Krelage Zoon, Haarlem, waren n000 Darwin-Tulpen in den ver-schiedensten Farben ausgestellt, sowie von der Firma Busman & Comp, Overveen, 7000 Tulpenin verschiedenen Sorten. Unbeschreiblich schön waren die von der Firma J. C. van Toi, Boskoop,auf dem Blumenparterre ausgestellten 4 bis 5000 Azalea mollis, vor denen ein Beet mit 15000Vergißmeinnicht bepflanzt war, die einen herrlichen Farbenkontrast mit den Azalien bildeten.

Aus obigen Zahlen ist ersichtlich, daß 46 000 Pflanzen zum einmaligen Bepflanzen des Schmuck-platzes vor dem Kunstpalast erforderlich waren.