VERLAUF DER AUSSTELLUNG
3i
dem Vorsitzenden der Gesamtausstellungen, Professor Fritz Roeber, den Dank der französischenRegierung aus und überreichte ihm und dem Leiter der Großen Internationalen Obstausstellung,Freiherrn von Solemacher, den Commandeur de l'ordre de merite agricole.
Bei den Vorbereitungsarbeiten für die Ausstellung waren schon Künstlerfeste geplant worden,sie hatten sich aber während der Sommerszeit nicht durchführen lassen, da die meisten Künstlersich auf Studienreisen befanden. Als mit dem beginnenden Herbst die Künstler wieder nachDüsseldorf zurückkehrten, bildete sich sofort ein Komitee, um den Schluß der erfolgreichenAusstellung durch Kostümfeste zu feiern, und zwar durch kostümierte Fackelzüge in Verbindungmit Feuerwerken und Beleuchtung des Geländes; der erste fand am 16., der zweite am Abend des20. Oktober statt. An letzterem Tage erfolgte in dem Pavillon für Sonderausstellungen die Eröffnungder dritten Orchideenschau, während in der großen Blumenhalle eine umfangreiche Chrysanthemum-ausstellung und eine Ausstellung von Cyclamen Bewunderung erregten.
Am 23. Oktober erfolgte programmäßig der Schluß der Ausstellung.
Das prächtige Wetter, welches die Internationale Kunst- und Gartenbau-Ausstellung Düsseldorf1904 während ihrer ganzen Dauer begleitete, blieb ihr auch am Schlußtage treu. Der letzte Aus-stellungstag war ein freundlicher Herbsttag, so recht geeignet zum Abschiednehmen von der großenVeranstaltung, die so viele Tausende erfreut und erquickt hat. Zu dem herrlichen Wetter paßtedie Stimmung aller derer, die zum Abschiednehmen gekommen waren. Es war kein trauriger Ab-schied, und dies mit Recht. Konnten doch alle Beteiligten mit Freude und Genugtuung auf dievielen Erfolge zurückblicken, die das Ausstellungsjahr 1904 gebracht hat. Konnte doch auch fest-gestellt werden, daß die Errungenschaften der Ausstellung für das Gemeinwohl noch weiterhinreiche Früchte tragen werden. Neben dem Danke an alle Mitwirkenden war dies der hervor-ragendste Ton, der durch die Schlußfeier ging.
Um 12 Uhr mittags versammelte sich in der Kuppelhalle des Kunstpalastes eine zahlreiche Fest-gesellschaft zur Schlußfeier. Unter den Anwesenden bemerkte man Divisionskommandeur General-leutnant v. Sperling, Regierungspräsident Schreiber, Landeshauptmann Dr. Renvers, Oberbürger-meister Marx, Brigadekommandeur Oberst v. Manteuffel, Landgerichtspräsident Ratjen, General-kommissionspräsidentBrümmer, Eisenbahndirektionspräsident Höft, Provinzialsteuerdirektor Triest,Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, Geheimrat H. Lueg, Stadtverordneter Fusbahn, GeheimratSchieß, Dompropst Dr. Scheuffgen-Trier, Oberbürgermeister a. D. Haumann, Hofrat Fasten-rath-Köln, Beigeordneter Dr. Thelemann, Handelskammerpräsident Möhlau, Geheimrat FranzHaniel, Graf und Marquis von und zu Hoensbroech, Akademiedirektor Professor Janssen,Professor von Gebhardt, die Konsuln Mulvany, Herdtmann und Pastor.
Nach einem einleitenden Musikvortrag hielt der Vorsitzende der Ausstellung, Professor FritzRoeber, die folgende Festrede:
Die Ausstellung von 1904, die Kunst und Gartenbau vereinigte, schliesst heute ihre Pforten. Aus allen Zonen,von den Tropen bis zu der Schneegrenze, vereinigte die Gartenbau-Ausstellung das Seltenste und Schönste, was dieunerschöpfliche Kraft der Natur an eigenartigen Gewächsen und Blumen hervorbringt. In dem prächtigen Gesamt-bilde fehlte weder aus kalter Höhe das bescheidene aber vielbegehrte Edelweiss, noch aus dem Süden der seltsamhohe Blütenschaft der nach der Sage nur alle hundert Jahre einmal blühenden und dann sterbenden Agave. Jetzthaben die Herbststürme und der Frost den Flor auf dem Gelände vernichtet, und in den Hallen verkündet diefremdartige Sonnenblume, das Chrysanthemum, das Herannahen des Winters.
Die poetischen Blumen des Lotos und der Victoria regia sind verblüht, die leuchtenden Nymphäen verblasst,die phantastischen Orchideen, die farbenprächtigen, unter heisser Sonne wachsenden Blattpflanzen, die Palmen undKakteen kehren in ihre warme Heimat zurück. 31 Sonderausstellungen von Spezialkulturen lösten sich vom i. Maibis zum 23. Oktober ab. In jeder Woche wechselten die Schnittblumen und erschlossen, im Frühling mit denStiefmütterchen beginnend bis zu den Herbstastern und Dahlien, einen unerhörten Reichtum von Formen undFarben. Gemüse und Obst fügten sich in nie gesehener Vollendung ein. Die Gaben der Bindekunst, in denen diemenschliche Liebe für jedes Gefühl, das sie bewegt, nach einem Ausdruck sucht, zeigten sich in vielerlei Gestalt.Auch das gediegene gärtnerische Schulwesen und die ernste Wissenschaft taten sich ergänzend hinzu. Gewerbeund Industrie schlössen sich an, und die Kunst, die für die Darbietungen des Gartenbaues eine malerische Umrahmungund einen wirkungsvollen Hintergrund anordnete, schuf auch in reizvollen Dioramen eine Anzahl typischer Gärtenin historischer Reihenfolge. Die soziale Seite des Gartenbaues wurde besonders betont durch die Ausstellungdeutscher Städte und der Gartenkünstler, deren Ergebnisse in einem Sammelwerk niedergelegt wurden. GrosseVerwaltungen wie auch gewerbliche Genossenschaften dürften der hier gegebenen Anregung und dem Beispieleinzelner Städte folgen und durch Umwandlung entsprechender Ländereien in kleine Gärten den weniger BemitteltenErholung in freier Luft bei gesunder und naturgemässer Arbeit sichern. Ebenso wird die von der Ausstellung inweitem Umkreise von Düsseldorf angeregte Verteilung von Pflanzen an Schüler und Schülerinnen von Volksschulenin zahlreichen Orten zu einer dauernden Einrichtung werden. Als von der Generalversammlung des Vereins zurVeranstaltung von Kunstausstellungen der Beschluss gefasst wurde, mit einer Internationalen Kunst- und Kunst-historischen Ausstellung eine Gartenbau-Ausstellung zu verbinden und den ganzen Sommer über durchzuführen,ahnte wohl jeder, der sich zur Mitarbeit entschloss, die Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens, aber keinerwar sich klar bewusst, was es heisst, sechs Monate lang die schnell vergänglichen Gebilde der Flora auf einemGelände von 100 Morgen und in Hallen, die Tausende von Quadratmetern einschliessen, immer wieder zu ersetzenund die Sonderausstellungen so rasch aufzulösen und wieder einzubauen, dass stets ein einigermassen fertiges