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VERLAUF DER AUSSTELLUNG
Gewaltig und eisern war die Zeit, der Wilhelm der Grosse das Gepräge gab, als aus Not und Sturm inglänzender jugendlicher Schöne das neue Reich erstand. Hochragende Denkmäler hat Deutschland dem erstendeutschen Kaiser und seinen Staats- und schlachtenkundigen Helden errichtet, um deren Banner Sieg um Siegfrische Lorbeern flocht, aber treuer hält die Liebe des Volkes im innersten Herzen ihr Bild fest, und es wird fort-leben, solange es ein deutsches Haus und eine deutsche Familie gibt. Jetzt scheint die lichte Sonne des Friedens,und ein zweites Geschlecht kann die reiche Ernte einbringen, für deren Aussaat die Väter Gut, Blut und Lebeneinsetzten. Sagenumwoben, verklärt wie das Bild eines Heroen der Vorzeit, erscheint uns schon die Gestalt desgeschiedenen ersten Kaisers, und viele seiner Paladine haben sich wieder um ihren Führer geschart, aber lebendweilt noch unter uns der Fürst, dessen erster und letzter Gedanke das Wohl seines Landes, die Macht und Würdedes Deutschen Reiches ist, der Mann ohne Furcht und Tadel, der Grossherzog von Baden. Und heute dürfen wirder Tochter Wilhelms des Grossen unsere begeisterte Huldigung darbringen. In schwerer Zeit treue und stand-hafte Gefährtin und Beraterin, mit linder Hand die Wunden, die der unerbittliche Krieg schlug, schliessend undheilend, ein Hort der Bedrängten, ziert sie den Thron Badens, ein leuchtendes Vorbild für jede deutsche Frau.Licht, Wärme und Freude dringen ein, wohin nur die hohe Frau den Fuss setzt, Poesie, Kunst und Wissenschaftblühen unter ihrem Schutz. Auch das schönste Schmuckstück unserer Ausstellung, die so liebevoll vorbereitete,mit so feinem künstlerischem Gefühl durchgeführte badische Abteilung, verdanken wir dem warmen Interesse EurerKöniglichen Hoheit. Nicht allein die Stadt Düsseldorf, die ganze Bevölkerung unserer westlichen Provinzen istbeglückt durch den Besuch Eurer Königlichen Hoheit, und aus aller Herzen spreche ich, wenn ich der allgeliebtenFürstin, der Gattin des treuesten Hüters deutscher Einheit und deutscher Ehre, der Tochter Wilhelms des Grossen,hier ein freudiges und begeistertes Willkommen zurufe.
Die Großherzogin, sichtlich ergriffen, erwiderte ungefähr mit den folgenden schönen Worten:
Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre Worte, für den Gedankengang und für den Sinn Ihrer Ausführungen.Ich danke Ihnen für alles, was ich bisher sah und hörte, für das Empfinden, das aus allem spricht, namentlichdafür, dass in der Rheinprovinz ein so tiefes Verständnis dafür ist, was mein Vater, was meine Eltern erstrebthaben und woran mein Gemahl, der Grossherzog von Baden, in Treue festhält; ich meine die Einheit und dieGrösse des deutschen Vaterlandes, dafür bin ich so dankbar. Was hier in der Ausstellung geschaffen worden ist,ist auch ein Zeichen der Einheit, und man sieht hier, wie dies der ganzen grossen Nation Segen und Fruchtbringt. Lassen wir zusammenhalten in unserer Gesinnung, der auch der Grossherzog ein Schutz und Schirm ist.Des Reiches Grösse und Einheit ist unser aller Herzenswunsch und Ziel, wir wollen sie immerdar erhalten. DieseGesinnung ist ein heiliges Vermächtnis meines Vaters, meiner Eltern.
Hiernach wurden die Vorstandsmitglieder mit ihren Damen vorgestellt. Es folgte nun der Rund-gang durch die Kunstausstellung und Kunsthistorische Ausstellung, sodann wurde die Maschinenhalle,die Hauptblumenhalle, wo die Fürstin speziell in der Schwarzwaldausstellung am längsten weilte,und die industrielle Abteilung besichtigt. Nachmittags setzte die Großherzogin nach einem kurzenBesuche des Vergnügungsparkes die Besichtigung der Gartenbau-Ausstellung fort, den einzelnenAbteilungen unermüdlich ihre Aufmerksamkeit zuwendend, nahm dann im Fürstenzimmer den Teeein, hielt im Anschluß daran Cercle, besichtigte mit großem Interesse die japanische Beleuchtung,die durch 38000 Lampen in den verschiedensten Farben, unterstützt durch die elektrische Beleuchtungder Fassaden der Ausstellungsbauten und der Scheinwerfer, ein feenhaftes Bild gab, besichtigte dannnochmals die Schwarzwald-Ausstellung, um sich von ihren Landeskindern zu verabschieden, undverließ, auf das höchste befriedigt, spät abends die Ausstellung.
Am 28. September wurde die Internationale Gemüseausstellung eröffnet bei einer überaus leb-haften Beteiligung auch des Auslandes, an die sich am 30. September ein Internationaler Gemüse-markt anschloß.
Anträgen aus dem Publikum entsprechend wurde der Abonnementsbeitrag für den Monat Oktoberermäßigt; bis zum Schluß liefen die Anträge auf Ausstellung von Dauerkarten, das letzte Abonne-ment wurde vier Tage vor dem Ende der Ausstellung genommen.
Eine kleine Schnittgrün-Ausstellung wurde in die Vorbereitungen für die Internationale Obst-ausstellung eingefügt.
Am 8. Oktober wurde in allen Räumen und Hallen die Große Internationale Obstausstellungeröffnet; zugleich damit tagte der Kongreß der deutschen Obstzüchter und Pomologen.
Das Internationale Preisgericht für die Internationale Obstausstellung, das sich bei der unerwartetgroßen Beschickung einer überaus schwierigen Arbeit gegenüber sah, brachte seine Anerkennung durchfolgendes Schreiben an den Vorsitzenden zum Ausdruck:
Hochgeehrter Herr Präsident!Das unterzeichnete Preisgericht hält es für seine Pflicht, Ihnen die aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechenzu der so über Erwarten grossartig durchgeführten Internationalen Obstausstellung, die an innerem Wert, räum-licher Ausdehnung und vollendeter Art der Darbietung alles weit hinter sich zurücklässt, was bisher auf demGebiete des Obstbaues auf Ausstellungen vorgeführt und geleistet wurde. Diese Ausstellung wird für das In- undAusland von weitesttragender Bedeutung sein.
Für das Internationale Preisgericht Fürst Gagarin.
Dem Internationalen Preisgericht für die Obstausstellung zu Ehren gab die Ausstellungsleitungein Festessen, zu dem u. a. von Frankreich der frühere Landwirtschaftsminister Senator Viger alsstaatlicher Kommissar mit mehreren anderen Delegierten erschienen war. Senator Viger sprach