Druckschrift 
Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

VERLAUF DER AUSSTELLUNG

reizvoller Weise in einen Palmengarten umgewandelt worden war. Die Firma Beterams unterhieltdiese Ausstellung mit von Zeit zu Zeit wechselnden blühenden Pflanzen bis zum Herbste.

Am 2. Juni stattete Prinz Eitel Friedrich von Preußen zum drittenmal der Ausstellung einen Besuchab, machte mit seinen Begleitern einen Gang durch die Kunsthistorische Ausstellung und besichtigtedann eingehend die moderne Abteilung des Kunstpalastes; mit besonderem Interesse nahmen siedann die Ausstellung blühender Tropenpflanzen, die Schnittblumenausstellung und den Palmengartenin Augenschein und verließen abends, von dem Gesehenen wieder vollauf befriedigt, das Gelände.

Am g. Juni wurden die inzwischen verwelkten Schnittblumen der Irisarten durch eine großeSchau chinesischer Päonien ersetzt, die in 600 verschiedenfarbigen und üppigen Blüten von derFirma Goos & Koenemann, Niederwalluf, ausgestellt wurden. Diese Ausstellung füllte die rück-wärtige Abteilung der Blumenhalle, während in den vorderen Hallen alle Hände vollauf beschäftigtwaren, um die große Kakteen- und Sukkulenten-Ausstellung fertigzustellen. Die Eröffnung dieserSonderausstellung erfolgte am 12. Juni gleichzeitig mit dem Beginn der elften Jahres-Hauptversammlungder Deutschen Kakteen-Gesellschaft. Kakteen, diese seltsamsten aller Pflanzengruppen, sind zu allenZeiten der Gegenstand des ganz besonderen Interesses aller Naturfreunde gewesen; die DüsseldorferAusstellung gab ein vollkommenes Gesamtbild dieser Gattung. Die ganze für die Ausstellungbestimmte Sendung umfaßte über 10 Waggons. Es waren unter den Pflanzen Riesenkakteen, dieaus den sonnigen Bergen Arizonas oder aus den Steppen Mexikos für die Düsseldorfer Ausstellungnach Europa gebracht worden waren, von den seltsamsten Formen und Arten: mächtige Kugel-gebilde, oder schlanken Säulen und Kandelabern ähnlich, andere hatten fast das Aussehen vonSchlangen oder Gurken, viele waren mit mächtigen Stacheln bewehrt, daneben zeigten einige einvollständiges Kleid einer rein weißen, gelben oder roten dichten Bestachelung; wieder andere einWunder der Natur glichen Greisenhäuptern mit langherabhängenden schneeweißen Haaren, auchdie verschiedenen Sorten von Blätterkaktussen zeigten ihre entzückenden Blüten usw. Die kurzenAufzählungen lassen schon erkennen, daß die Kakteenausstellung eine der wichtigsten Veranstaltungender ganzen Ausstellung war.

Das Gelände der Gartenbau-Ausstellung zeigte sich nunmehr im besten Flor als eine Parkanlagevon außerordentlicher Schönheit; dazu war das Wetter meist vorzüglich und die Abende sehrangenehm. Abgesehen von kleineren Konzerten, die in fast allen Lokalen veranstaltet wurden, ließdie Ausstellungsleitung tagtäglich durch zwei vorzügliche Kapellen große Konzerte mit ausgewähltenProgrammen in den dafür erbauten Musiktempeln veranstalten. An allen Wochentagen, an welchenkein Feuerwerk und keine japanische Beleuchtung stattfand, wurde von 7 Uhr abends ab der Eintritts-preis auf 50 Pfg. ermäßigt.

Am 13. Juni wiederholte der Herzog von Koburg-Gotha in Begleitung des Oberjägermeisters vonMinkwitz seinen Besuch und besichtigte die große Kakteenausstellung, die Abteilung der Nymphäenund die wissenschaftliche Abteilung, die den hohen Herrn außerordentlich interessierte. Die Schnitt-blumenausstellung bot durch die Vorführung von orientalischen Mohnarten diesmal ganz besonderesInteresse; namentlich waren 450 neue Pflanzen der eigenen ZuchtsorteViktoria Luise" von wunder-barem Rot durch die Firma Emil Finger in Hamburg zur Ausstellung gebracht worden.

Nach und nach entwickelten auch in dem Rosarium, in welchem 70000 Rosen ausgepflanzt waren,die unzähligen Arten einen unbeschreiblichen Blütenflor. Am 18. Juni wurde eine sehr interessanteSonderausstellung von Kirschen, Erdbeeren und Treibobst, am 25. Juni die Hauptausstellung vonRosen eröffnet. Außer dem Rosarium waren an vielen anderen Plätzen des Ausstellungsgeländesseltene Rosen in Gruppen ausgepflanzt. Die Schnittblumen wurden in der großen, an den Hauptbauanstoßenden Halle vereinigt und boten das prächtigste Bild. In voller Entwicklung stand jetzt derAlpengarten, und das am Rhein gelegene Quedlinburger Blumenfeld hatte durch die gleichfarbigenStreifen von massenhaft in regelmäßiger Anordnung ausgepflanzten Sommerblumen einen ganzbesonderen eigenartigen Reiz. Am 4. Juli wurde die Kakteenausstellung aufgelöst.

Um der Jugend Gelegenheit zu geben, die lehrreiche Gartenbau-Ausstellung häufiger sehen zukönnen, ordnete die Ausstellungsleitung an, daß vormittags vor 12 Uhr Schulkinder in Begleitung derLehrer nur 10 Pfg. Eintrittsgeld zu zahlen brauchten.

In dem nördlichen Teile der Blumenhalle stellte jetzt die Düsseldorfer Firma Hartstein sen.eine überaus reiche Schau von Schwertlilien in etwa 6000 Blumen von verschiedenen Farben,Formen und Größen, und anschließend daran die Firma W. Winkelmann in Rodenkirchen beiKöln außerordentlich gut entwickelte Hortensien.

Inzwischen hatten sich die Wasserpflanzen, unter ihnen besonders die Victoria regia, zurBlüte entwickelt. Das Interesse des Publikums wendete sich nunmehr den zahlreichen Glashäusernzu, die links vom Haupteingang zur Aufnahme der Nelumbien, der indischen Lotos, der verschieden-farbigen Seerosen, der riesigen Aristolochien und für wundersame Wasserpflanzen und tropische

^^i