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Internationale Kunstausstellung, Kunsthistorische Ausstellung, Grosse Gartenbau-Ausstellung : Düsseldorf 1904
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VERLAUF DER AUSSTELLUNG

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Begeistert stimmte die Festversammlung in das Kaiserhoch ein, und als die Musikkapelle dieNationalhymne gespielt hatte, bestieg Professor Clemen von der Bonner Universität die Tribüneund hielt folgende Rede:

Wieder wie im Jahre 1902 ist neben der neuen Kunst, die in einer ungeahnt glänzenden Schlachtordnung in denKunstpalast eingezogen ist, die alte Kunst auf dem Plan erschienen. Jene erste von glänzendem Erfolg begleiteteKunsthistorische Ausstellung, die vor zwei Jahren auf den Wunsch der Düsseldorfer Künstlerschaft ins Lebengetreten war, hatte sich im wesentlichen auf die Werke der Gross- und Kleinplastik, der Edelmetallkunst, des Bronze-gusses beschränken müssen; eine wichtige Gruppe, die persönlichste, die die reichste Ausdrucksmöglichkeit besitzt,hatte von vornherein ganz ausgeschieden werden müssen, schon aus dem Grunde, weil ihre Werke allein den ganzenfür die Ausstellung zur Verfügung stehenden Raum gefüllt hätten die Malerei. Ihren Schöpfungen ist die Kunst-historische Ausstellung gewidmet, die heute zum erstenmal ihre Pforten öffnet. Sie tritt damit ergänzend ihrer Vor-gängerin zur Seite beide zusammen wollen sie ein volles und geschlossenes Bild von der Höhe des früherenkünstlerischen Schaffens in den Rheinlanden geben. Erbin des der älteren Schwester entgegengebrachten Vertrauens,darf sie auch Anspruch und Anwartschaft auf die gleiche Beachtung und Wertschätzung erheben. Der gelehrtenForschung will sie das vergleichende Studium von noch nie an einem Punkte vereinigten Werken ermöglichen, diedas höchste Interesse der Kunsthistorischen Welt in Anspruch nehmen. Und noch mehr vielleicht als die verflosseneAusstellung darf sie auf das rein künstlerische Interesse und Empfinden breiterer Kreise rechnen. Die ganze Ent-wicklung der westdeutschen Malerei im 15. und 16. Jahrhundert will diese Ausstellung in grossen Zügen zeichnenund daneben soll sie einen Begriff geben von dem Besten, was in den westdeutschen Privatsammlungen an wert-vollen Gemälden jeder Art vorhanden ist. Es ist eine unschätzbare kleine Galerie von Meisterwerken, die hierfür wenige Monate zusammengebracht ist. Einen neuen Ruhmestitel hat diese Ausstellung dem Gebiet, dem sie gilt,zu den alten hinzuerworben: dass die reichsten Provinzen Deutschlands, die die älteste Kunstblüte auizuweisenhaben, auch auf dem Gebiete der Malerei an Eigenem und Fremdem den kostbarsten Kunstbesitz bergen. Nicht ohneweiteres ist unsere ältere Kunst einem modernen Auge verständlich: sie verlangt mehr Vertiefung in das Kleine undEinzelne, und mehr Ruhe, als der Ausstellungsbesucher sie im allgemeinen mitbringt. Und wenn man diesemBesucher etwas wünschen möchte als Mitgift beim Beschauen und als Wegzehrung auch, wenn die Tore sichhinter ihm geschlossen haben, so wäre es das: dass er in etwas von jener stillen Andacht, von dem Sinn auch fürdas Kleinste und von dem unbarmherzigen und unbeugsamen Respekt vor der Natur in sich aufkeimen Hesse, diedie Künstler jener Tage leiteten. Unter allen Wandlungen und Entwicklungsphasen der nordischen Kunst scheint unsdie Zeit der Primitiven am nächsten zu stehen wir sehen in ihr die Jugend unserer Kunst und wir lieben dieseJugend in ihrer Frische, ihrer Unmittelbarkeit, ihrer Ehrlichkeit. Vor zwei Jahren hat die Ausstellung der primitivenflandrischen Meister in Brügge auch in den ferneren Kreisen dieser Kunst neue Freunde geworben. Die vor zweiWochen in Paris eröffnete Exposition des primitifs francais hat etwas Ähnliches für Frankreich zu schaffen versucht.Und stehen wir nicht noch mitten drin in der Begeisterung für die kraftvolle Kunst der italienischen Primitiven ?Wohl hat das Rheinland im 15. Jahrhundert keine Künstler vom Range der Gebrüder van Eyck und ihrer unmittel-baren Nachfolger aufzuweisen, dafür aber bringt es eine Kunst, die an Tiefe des Empfindens, an Frische des Natur-gefühls der der meisten, an Reichtum, Mannigfaltigkeit und Fruchtbarkeit der aller anderen deutschen Provinzen voran-steht. Diese grosse westdeutsche Kunst ist aber für uns etwas mehr als eben nur eine Provinzialschule. Wir stehenhier in den Rheinlanden auf dem Boden einer uralten künstlerischen Tradition, die seit den Zeiten der Karolinger nieabgerissen ist. Das heilige Köln, die unbestrittene künstlerische Hauptstadt Deutschlands für das Mittelalter, ist nochfür die Entwicklung des 15. Jahrhunderts der wichtigste Vorort und gibt erst am Ende dieses Jahrhunderts seine Supre-matie ab. Und es sind das rheinische Denkmäler zugleich, aus denen die ganze neuerwachte Begeisterung für dieältere deutsche Kunst emporgewachsen ist, aus denen sie ihre Nahrung gesogen hat, an denen zuerst das Studiumdieser Kunst eingesetzt hat. Dem Strassburger Münster und der jungen Gotik galt des jugendlichen Goethe erstekünstlerische Proklamation und der reife Goethe war es, der in Köln und am Niederrhein, von den KölnerFreunden liebevoll geleitet, auch jenen ältesten Meisterwerken der Kölner Malerei sich bewundernd nahte und vonEhrfurcht ergriffen vor dem Kölner Dombild stand. Es ist ein Stück von dem Besten unserer nationalen Kunstund mit freudigem Stolz dürfen wir davortreten und bekennen: Dieser ist unser. Jenes fünfzehnte Jahrhundert, dasuns heute so friedfertig entgegentritt, war aber zugleich eine Zeit des leidenschaftlichen Kampfes, der stärkstenkünstlerischen Gegensätze, der nachhaltigsten Umwälzungen. Es zog ein grosses Frühlingswehen durch die ganzeKünstlerwelt: zum erstenmal sahen diese Maler mit frischen, gleichsam aufs neue rein ausgewaschenen Augen in dieWelt hinein; ihr ganzer Reichtum und die bunte Fülle der Erscheinungen gingen ihnen auf, und mit jubelnderFreude, im muntersten Wetteifer suchten sie dieser neu entdeckten Welt gerecht zu werden. Es hebt ein Jakobs-ringen an mit der Natur: ihre ganze Ausdrucksfülle möchten die Künstler ihr abzwingen. Und an ihrer naivenFreude an der Vielgestaltigkeit dieser Erscheinungswelt kennen sie überhaupt keine Grenzen mehr, alles möchten sieauf einmal sagen. Und wenn sie immer aufs neue wieder den Ausdruck zu vertiefen und zu verstärken suchen,schiessen sie auch wohl mit jugendlichem Ungestüm über das Ziel hinaus. Aber es ist eine Kunst, die nichtsWeichliches und nichts Schwächliches, nichts Ausdrucksloses dulden mochte, und die nur einen Lehrer vor sich sah,nur einen Massstab kennt sie, die Natur.Denn wahrlich, die Kunst steckt in der Natur", ruft Dürer auswersie heraus kann reissen, der hat sie." Und es ist etwas, was uns Achtung und Ehrfurcht abzwingt vor diesermodernen Kunst denn das war sie für ihre Zeit, vor diesen, wir würden heute sagen, Sezessionisten des 15. Jahr-hunderts, das ist eben dieser heilige Respekt vor der Natur, und wir sehen in dieser herben Kunstsprache unterder rauhen oder bunten Hülle das mühevolle Sichabquälen nach Eigenem, das rührende Ringen nach neuen Aus-drucksformen. Einen so erbarmungslosen Realismus, der vor keiner Konsequenz zurückschreckte, dem nichts Mensch-liches fremd war, den alles reizte, was Bewegung, Ausdruck, sprühendes Leben gab einen solchen Realismus hatdie Kunstgeschichte wohl nicht ein zweites Mal gesehen. Und dabei steht diese harte und kraftvolle Wirklichkeits-kunst unmittelbar neben und hinter den zartesten Schöpfungen einer duftigen Märchenphantasie, neben einer ganzauf Innigkeit und Empfindsamkeit hinarbeitenden Kunst, und in beiden haben wir gleichermassen den Ausdruck fürdas Schönheitsempfinden und die tiefste Sehnsucht ihrer Zeitalter sehen gelernt, beide haben wir gleichermassenschätzen gelernt. Die Geschichte kennt nicht die Begriffe alt und neu; was modern war, ist immer das, was dienächste Generation überholt und zu dem erst eine spätere im ewigen Kreislauf der Erscheinungen zurückkehrt; esgibt überhaupt keine alte und keine neue Kunst, es gibt nur die Unterschiede: gute Kunst und schlechte Kunst. Undwenn das die beste Lehre ist, die den Geniessenden der Ausblick auf diese vergangene Kunst mitgibt, was sollen diese