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VERLAUF DER AUSSTELLUNG
Werke einer versunkenen Kunstperiode den Schaffenden vonheute? Anregungen in Fülle werden sie bringen, nicht nur fürnachdenkliche Leute, sondern für jeden, der mit dem Auge? deswahrhaften Künstlers zu sehen weiss. Wir glaubten, dass esauch für die so rasch erstarkte Düsseldorfer Kunst lehrreichund nicht unnützlich sein würde, einmal für einen Sommernicht nur die alten deutschen Meister, sondern auch die erstenunter den grossen Holländern und Vlamen mit lauter Meister-werken um sich versammelt zu sehen. Fruchtbare Gedankenund neue Wege werden sich allenthalben erschliessen lassen.Nicht als ob aus der Nachahmung irgend einer vergangenenKunst jemals etwas Gesundes und Originales wachsen könnte.Nicht was die alten Meister geschaffen, ist es, was wir heuteals vorbildlich bezeichnen möchten, sondern wie sie geschaffenhaben. Ihre Wahrhaftigkeit war ihre Grösse. Echte Söhne derNatur wollten sie sein, aber nicht ohne Enkel. Eine Kunstdirekt dem Leben abgelauscht wollten sie geben, aber keineKunst aus zweiter Hand. Ein Vorbild taugt dem Künstler nur,wenn er es zu überwinden und aus eigener Kraft darüberhinauszuwachsen vermag. Wer immer hinter einem andernhergeht, wird nie an ihm vorüberschreiten, sagte Michelangelo.Und man möchte an die Worte denken, die der junge Goethe
von jener ältesten deutschen Kunst in ihren Kinderjahren . , ,, , „ „ __.. _
. J , _, _ ... , , . , , „.., . , Ankunft des Kronprinzen
ausrief: „Der Genius will auf keinen fremden Flugein, und
wären's die Flügel der Morgenröte, emporgehoben und fort-gerückt werden." Das galt für damals, und das gilt für heute. Die Ausstellung gedenkt bei dieser Eröffnungsfeier,die die zweijährige Arbeit abschliesst, mit schuldigem Danke aller derer, die zum Gelingen des grossen Werkesbeigetragen haben; der Hüter altererbten Familienbesitzes wie der Sammler neuer Schätze, der Korporationen, derKapitel der Kirchenvorstände wie der Leiter der grösseren und kleineren deutschen Sammlungen. Sie danktbesonders für die verständnisvolle und tatkräftige Unterstützung, die die Königliche Staatsregierung wie die Provinzial-verwaltungen der Rheinprovinz und Westfalens, getreu ihren Traditionen, dem Unternehmen geschenkt haben.
Die Ausstellung unterbreitet endlich ihren ehrfurchtsvollen Dank ihrem und der Gesamtausstellung erlauchtemProtektor. Die Kunst, die diese retrospektive Ausstellung bringen will, ist Ew. Kaiserlichen Hoheit nicht fremd, nicht diereife und hohe, und nicht die jugendlich herbe. Ew. Kaiserliche Hoheit erinnerten mich vor ein paar Wochen an denTag, an dem ich Ew. Kaiserliche Hoheit zum erstenmal vor eines der vornehmsten Werke jener primitiven Kunst, vordas van Eycksche erste Elternpaar im Museum zu Brüssel führen durfte. Ich glaube nicht, dass Ew. Kaiserliche Hoheitdiesen Adam und vor allem diese Eva besonders liebgewonnen haben — aber das eine weiss ich, dass Ihnen vondieser unbesiegbaren Ehrlichkeit und der Wahrheitsliebe, die in dieser Kunst liegt, ein starker und bleibender Eindruckgeblieben ist. Die Kunsthistorische Ausstellung darf Ew. Kaiserlichen Hoheit auch für das ganz persönliche Interessedanken, für die wiederholte, Ihrer Initiative entsprossene persönliche Intervention zugunsten unseres Unternehmens.Und mit dieser einen Unterabteilung zollte die Gesamtausstellung Ew. Kaiserlichen Hoheit ihren ehrerbietigenDank für das persönliche, von Anfang an bewiesene Wohlwollen. Unsere Gartenkünstler werden um den von Ew.Kaiserlichen Hoheit gestifteten Prachtpokal als um ihren ersten Preis kämpfen. Die Gesamtausstellung wie das Rheinlanderblicken mit ehrfurchtsvollem Dank einen Ausdruck des gnädigen Interesses Seiner Majestät des Kaisers in der Über-nahme des Protektorates durch den Erbenseines Thrones. Der hohe Protektor derAusstellung Seine Kaiserliche und König-liche Hoheit der Kronprinz, lebe hoch!
Jubelnd wurde das Hoch aufden Protektor der Ausstellung auf-genommen, worauf der Kronprinzselbst das Podium bestieg und dieAusstellung mit nachstehendenWorten eröffnete:
Ihnen, Herr Professor, meinen herz-lichsten Dank für die freundlichen Worteder Begrüssung. Vor zwei Jahren wares mir vergönnt, an derselben Stelle, wieheute, die grosse Industrie-, Gewerbe-und Kunstausstellung zu eröffnen. Derglänzende Verlauf, den diese Ausstellunggezeitigt hat, wird ein gutes Omen für diejetzige Ausstellung sein. Ich bin davonüberzeugt, dass die Ausstellung für Kunstund Gartenbau einzig in ihrer Art seinwird und einen grossen Schritt vorwärtsin der Entwicklung der Stadt Düsseldorfbedeuten wird. Den Männern aber, derenTatkraft diese Schöpfung ihre Entstehungverdankt, meinen herzlichen Dank undmeine tiefste Bewunderung. (Bravo.) DieDer Haupt-Eingang Ausstellung ist hiermit eröffnet.