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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
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XCIV
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XCIV Einleitung. Drittes Kapitel

mann, M. Stefl, G. Wenzel und C. Williams folgende Lagerungen derHebungssilben in der Reimzeile ermittelt:

Die zwischen zwei Hebungen liegenden Senkungen bewegen sichregelmäßig von der Tonlage der ersten zur Tonlage der zweiten.

5 Der Auftakt fällt also von seiner ersten Silbe bis er in der unmittel-bar vor der ersten Hebung stehenden Silbe seine größte Tontiefe er-reicht. Die erste Hebung liegt noch tiefer; die zwischen dieser undder zweiten Hebung liegenden Senkungen steigen, bis sie in der vonder zweiten Hebung liegenden Silbe ihre größte Tonhöhe erreichen.

10 Die zweite Hebung liegt wieder etwas höher als die ihr unmittelbarvorhergehende Senkungssilbe und so fort. Auf diese Weise läßt sichziemlich sicher die Lage der vier Hebungen des Verses feststellen.Besonders um die Lage der ersten Hebung ausfindig zu machen, istdies ein gutes und sicheres Mittel. Die Zahl der Senkungssilben steigt

is von 0 bis auf 4, je höher sie ist, desto häufiger wird der Heraus-geber vor die Alternative gestellt, ob er ein sogenanntes unbetontese noch einfügen soll oder nicht. Auch hier muß er nach Gutdünkenentscheiden. Nicht bloß die Versmelodie versagt hier als Kriterium,sondern auch der Reim. Wenn Reime vorkommen, die z. B. dartun,

20 daß der Verfasser die Form an kannte und gebrauchte, so ist mannoch nicht berechtigt zu schließen, an sei die einzig von ihm ver-wandte Form. Gleiches gilt von e nach m, r, l mit vorhergehenderKürze.

So möchte ich das Gewand, in dem der oberdeutsche Servatius

25 in dieser Ausgabe erscheint, nicht so verstanden wissen, als habe seinVerfasser nun genau so gesprochen, wie dieses Gewand äußerlich er-scheint. Dem Herausgeber wäre es ein Leichtes gewesen, die Ortho-graphie der mittelhochdeutschen Grammatiken durchzuführen. Dasist keine Kunst. Orthographische Systeme aber sind immer Kompro-

30 misse zwischen Laut und Buchstaben und es ist ein kindlicherGlaube, der da meint, daß wir Veldecke oder Wolfram genau so her-ausgeben könnten, wie sie gesprochen haben, daß wir ihre sprach-lichen Eigenheiten bis in alle Einzelheiten hinein auch orthographisch