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Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
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Erstes Kapitel

Die lateinischen Servatiuslegenden bis Ende des zwölften

Jahrhunderts

In der Historia sacra des Sulpicius Severus 2, 44 (= MSL. 20,

154 A = CSE. I 97, 4 f.) erscheint zum erstenmal der Name des 5hl. Servatius, des Bischofs von Tongern. Er lautet Servatio. DerHeilige hatte sich auf der Synode von Rimini vom Mai 359 als eintreuer Anhänger des orthodoxen Bekenntnisses und Feind jeglicherhäretischen Bestrebung gezeigt. Um seinen Standpunkt zu vertreten,bedurfte es nicht nur festen Glaubens, sondern auch Mannesmuts und ioUnerschrockenheit, denn die Synode stand unter dem Druck desKaisers Konstantius. Nur zwanzig orthodoxe Bischöfe waren fest ge-blieben, die übrigen umgefallen. (Näheres bei C. J. Hefele, Concilien-geschichte I 686 f. und A. Harnack, Lb. d. Dogmengeschichte II a 249 f.)Da man den Tongerer Bischofsitz schwerlich einem allzu jungen uMann übertragen haben wird, müssen wir annehmen, daß das Lebendieses von Sulpicius erwähnten Servatio der Hauptsache nach in dasvierte Jahrhundert fällt. Die spätere Legendenschreibung setzt denHeiligen in das fünfte Jahrhundert. Er soll zur Zeit des Attila ge-lebt und der Stadt Tongern ihre Zerstörung durch die Hunnen voraus- 20gesagt haben. Freilich ist es keineswegs sicher, sogar wenig wahr-scheinlich, daß diese Legende von der Prophezeiung des Servatiusursprünglich von diesem erzählt wurde. Bei Gregor von Tours, derin seiner Historia Francomm II, 46 (= MG. scr. rer. merov. I 66,10 f.)zuerst überliefert, daß der Untergang Tongerns durch den eigenen 25Bischof vorhergesagt worden sei, wird die Geschichte von einemBischof berichtet, der in den besten Handschriften der Historia denNamen Aravaüus trägt, und in dem über in gloria confessorumdesselben Verfassers Kap. 71 (= MG. scr. rer. merov. I 790,1 f.) wird

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