Druckschrift 
Sanct Servatius oder wie das erste Reis in deutscher Zunge geimpft wurde : ein Beitrag zur Kenntnis des religiösen und literarischen Lebens in Deutschland im elften und zwölften Jahrhundert
Entstehung
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VORWORT

An diesem Buch wird jeder etwas auszusetzen haben: der Germanist,der klassische Philologe, der Theologe, der Historiker, der Jurist,kurz alle Fachleute, deren Arbeitsfeld darin gestreift worden ist. Trotz-dem hofft der Verfasser, die Kenntnis der Literatur des zwölften Jahr-hunderts wesentlich vertieft zu haben, und solchen besser wissendenFachleuten ruhig mit der Frage entgegentreten zu können: hättet Ihrden Mut und den allgemeinen Blick gehabt, um nach möglichst vielenRichtungen hin die großen Linien herauszuarbeiten, die dieser Stoffin jeder Weise enthält? Hättet Ihr den Mut gehabt, Euch in kleinenDingen den verschiedenen Seiten fachgenössischer Kritik auszusetzen,ihren Tadel hinzunehmen, damit die Gesamtheit der historischen Diszi-plinen Nutzen und Anregung daraus ziehen kann? Ja? Dann habtIhr das Recht zu verurteilen, aber nicht eher!

Es ist ein leichtes Ding nach vollbrachter Schlacht, die darinbegangenen Fehler dem Führer vorzurechnen, ihm nachzuweisen, daßer diesen Hügel besser von einer anderen Seite, diese Truppe wuchtigervon einer anderen Höhe, jenes Dorf besser zu einer anderen Stundeangegriffen, daß er dort dem Feinde zu lässig nachgesetzt und hierseine Leute zu wenig geschont hätte. Diese Tadler ahnen nicht, wases heißt, ein großes Terrain so zu überblicken, daß wenigstens dieHauptmassen richtig agieren und die unausbleiblichen Verstöße in denkleineren Teilbewegungen nicht das Ganze schädigende Wirkungenannehmen. Ganz werden sie nie ausbleiben.

Auch bei dieser Arbeit galt es, das Terrain möglichst zu übersehentrachten, an den Punkten einzusetzen, wo man wirksam zu seinemZiele vordringen konnte, und solcher Punkte recht viele auszukund-schaften. Möglichst alle Mittel mußten angewandt werden, um dem